Kommentar : Zurück in einem Boot

Frank Bachner erklärt die Aufbruchstimmung im deutschen Ruder-Lager.

Frank Bachner

S o schnell geht’s also. Am Sonntag sind Sebastian und Richard Schmidt Weltmeister im Deutschand-Achter geworden, am Montag standen sie schon im Mainzer TV-Studio des SWR, vermutlich noch mit Restalkohol. Das wichtigste Ziel hat die Besatzung also erreicht: Das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbands wird wieder als sportliches Premiumprodukt wahrgenommen.

Die Deutschen reisten in Posen als stärkste Rudernation ab, nur: Was heißt das streng sportlich gesehen? Das weiß in einem nacholympischen Jahr keiner genau. Wie stark die Rudernation Deutschland wirklich ist, wird sich erst in den olympischen Finals von 2012 zeigen.

Diese drei Gold- und zwei Bronzemedaillen wären aber ohne eine neue Aufbruchstimmung nicht möglich gewesen, darin liegt der eigentliche Wert dieser Bilanz. Das Lagerdenken zwischen Ost und West, das vor gut zehn Jahren wieder entstanden ist, Trainer, die ihr Herrschaftswissen nur im kleinen Kreis offenbarten, der Kleinkrieg unter den Achter-Mitgliedern, die intransparenten Strukturen bei der Besetzung der Boote, das alles beginnt sich jetzt langsam zu ändern. Das ist die heilsame Reaktion auf den Schock von Peking. Dass Cheftrainer Hartmut Buschbacher sich jetzt nur um Sport kümmern muss, ist ein kleines, aber wichtiges Detail in dieser neuen Gesamtkonzeption. Der entmachtete Sportdirektor Michael Müller hatte neben dem Sport auch noch Verbandspolitik als Aufgabe. Damit war er überfordert. Teamgeist allein sorgt natürlich noch nicht für Olympia-Medaillen. Aber er ist die Grundlage dafür. Die Reaktionen auf Posen beweisen es. Das Flaggschiff wurde jedenfalls ausgiebig vertreten: Trainer Ralf Holtmeyer saß gestern auch im TV-Studio, einem des WDR.

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