Kommentar : Zurück zur Aufregung

Ein Holländer, der russischer Nationaltrainer ist, hilft in England aus: Sven Goldmann erklärt, warum Chelsea Guus Hiddink verpflichtet.

Sven Goldmann
Hiddink
Guus Hiddink -Foto: AFP

Am Mittwoch, der FC Chelsea hatte ihn gerade als Teilzeittrainer bis zum Saisonende bestätigt, sagte Guus Hiddink einen seltsamen Satz: „Roman Abramowitsch hat sehr viel für den russischen Fußball getan. Jetzt möchte ich ihm etwas zurückgeben.“ Dazu muss man wissen, dass Abramowitsch zwar einen großen Teil seiner Öl-Milliarden an der Stamford Bridge versenkt. Aber auch den Freunden in der alten Heimat steckt er ein bisschen was zu, der russische Verband gönnt sich davon die hochbezahlten Dienste des Nationaltrainers Hiddink.

Das Geld bleibt also in der Familie. Für Abramowitsch war es günstiger, in eine kurzfristige Trainer-Akquise zu investieren, als wie bisher eine Handvoll Weltstars nach London zu holen. Genau das hatte er Hiddinks Vorgänger Luiz Felipe Scolari verweigert. Ob das wirklich an Abramowitschs Kursverlusten durch die Wirtschaftskrise lag? Wahrscheinlicher ist, dass er Scolari nicht zutraute, Chelsea zum seit Jahren geplanten Champions-League-Sieg zu führen. Dieses Scheitern hat strukturelle Ursachen. Vor dem Engagement in London hatte Scolari zuletzt 2001 eine Klubmannschaft betreut. Das Tagesgeschäft war seine Sache nicht. Entsprechend erfolglos (und furchtbar unattraktiv) spielte Chelsea unter seiner Leitung.

Auch Hiddinks letzter Vereinsjob liegt schon ein paar Jahre zurück. Aber im Sommer 2008 waren es seine Russen, die bei der EM in den Alpen den aufregendsten Fußball spielten. Daran wird Abramowitsch den Holländer beim vermeintlich untrainierbaren FC Chelsea messen. Und dann entscheiden, ob er Hiddink im Sommer wieder aus London gehen lässt.

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