Sport : Kommt Tor, kommt Zeit

Bayern München spielt in der Champions League gegen Brügge überlegen, belässt es aber bei einem 1:0

Daniel Pontzen[München]

Oliver Kahn hat im Sommer den Verein gewechselt, zumindest hat es sich so angefühlt, wie er dieser Tage gesagt hat. Das Stadion sei einmalig, er spüre da förmlich, „wie die Zuschauer auf einen draufdrücken“. Wahrscheinlich hat er das gestern auch so empfunden, beim ersten Champions-League-Spiel von Bayern München in der neuen Luxusherberge gegen den FC Brügge, zu dem wieder einmal 66 000 Zuschauer gekommen waren. Für die meisten Zuschauer, inklusive des Bayern-Torwarts, war es erneut ein erfreuliches Arena-Erlebnis. Kahns neuer alter Klub siegte 1:0 (1:0).

Die Münchner kontrollierten das Spiel von Beginn an, nach neun Minuten ging Paolo Guerrero, den Trainer Felix Magath neben Roy Makaay als zweiten Stürmer aufgestellt hatte, nach einem Zweikampf im Strafraum zu Boden. Schiedsrichter Tom Henning Övrebö entschied zwar auf Foul, gab aber nur Freistoß an der Sechzehnmeterlinie. Zé Roberto konnte die gute Gelegenheit nicht nutzen, ebenso wie Michael Ballack zwei Minuten später aus einer ähnlichen Position. Zwischen diesen beiden Freistößen zeigten die Münchner eine kleine Abstimmungschwäche bei einem Konter der sehr defensiv eingestellten Gäste, etwas später musste Kahn mit einem spektakulären Hechtkopfball vor seinem Strafraum gegen Bosko Balaban klären. Bis auf diese beiden Momente drängte der FC Bayern die ganze Zeit auf den Führungstreffer, und nach einer halben Stunde war es dann soweit.

Brügges Torhüter Tomislav Butina flog an einer Ecke von Zé Roberto vorbei, im anschließenden Gewühl im Fünfmeterraum tat Martin Demichelis dasselbe wie sonst in der Gegend um den Mittelkreis: Er haute dazwischen und den Ball ins Tor. Der Argentinier hatte auch im vorangegangenen Bundesliga-Heimspiel gegen Hannover 96 den 1:0-Siegtreffer erzielt.

Die Belgier trauten sich nun etwas öfter aus ihrer tief stehenden Abwehr heraus, und die Münchner versuchten nicht nur, den Vorsprung zu verwalten – das Spiel wurde interessanter. Als fünf Minuten nach der Halbzeit Bayerns Linksverteidiger Bixente Lizarazu mit einem Muskelfaserriss in der Wade ausgewechselt werden musste, brachte Felix Magath den offensiven Mehmet Scholl. Kurz darauf durfte Scholl einen Freistoß ausführen, und der kam gleich gefährlicher auf das Tor der Gäste als die von Ballack und Zé Roberto, der Ball landete am Pfosten.

Die Münchner bekamen mit der Zeit noch mehr Raum für ihr Kombinationsspiel, das trotz ihrer klaren Überlegenheit in der ersten Halbzeit nicht immer flüssig ausgesehen hatte. Die nächste Torchance entstand aus dem Spiel heraus, dieses Mal scheiterte Scholl mit einem Schuss aus 18 Metern an Butina. Scholl belebte das Spiel des FC Bayern, der nun doch immer mehr den Eindruck machte, wie schon beim ersten Champions-League-Spiel bei Rapid Wien das 1:0 über die Zeit bringen zu wollen.

Wieder hatten die Münchner ein Spiel, in dem sie deutlich überlegen waren, nicht frühzeitig für sich entschieden. So gab es noch Chancen auf beiden Seiten: Zwanzig Minuten vor dem Ende köpfte Demichelis aus vier Metern freistehend über das Tor, kurz darauf zielte auf der Gegenseite der eingewechselte Jeanvion Yulu-Matondo neben Kahns Tor.

Roy Makaay trat noch freistehend über den Ball und erzielte ein Abseitstor, zudem musste Michael Ballack zehn Minuten vor dem Ende angeschlagen ausgewechselt worden. Doch am Ende blieb für Oliver Kahn alles so, wie es war. Er hat in der neuen Arena immer noch kein Gegentor bekommen.

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