Sport : Kommt Zeit, kommt Trainer

Die Saison rückt näher, aber die Eisbären haben noch immer keinen Coach

Claus Vetter

Berlin - Peter John Lee seufzt. „Eigentlich wollten wir unseren neuen Trainer schon im Mai präsentieren“, sagt er. „Lieber früher als später.“ Früh? Das ist für Manager Lee und die Eisbären längst vorbei. Der Berliner Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist spät dran, bei der Trainersuche. Schon im Herbst 2006 deutete sich an, dass Pierre Pagé nicht in Berlin bleiben wollte. Im März schließlich erklärte der Trainer, mit dem die Eisbären zweimal Deutscher Meister wurden, dass sein neuer Arbeitgeber nicht in Berlin sei. Spätestens seitdem mussten sich die Eisbären nach einem Nachfolger für den Kanadier umschauen.

Die neue Saison beginnt für die Eisbären erst Anfang August, trotzdem ist es ungewöhnlich im Profisport, dass ein Klub während der Sommerpause trainerlos ist. Bei Spielerverpflichtungen kann Manager Lee nicht auf den Rat seines Coaches bauen. Vermutlich ist die Liste der Zugänge daher trotz vieler Abgänge noch recht überschaubar. Allein der Kanadier Nathan Robinson (zuletzt Mannheim) wurde als neuer Spieler verkündet. Der Manager wirkt trotzdem nicht nervöser als sonst. Neuer Trainer? Viele Kandidaten habe es für den vakanten Posten gegeben. Nun sei der Kandidatenkreis um den zuletzt bei der Düsseldorfer EG tätigen Don Jackson auf drei geschrumpft. „Es sind zwei Namen dabei, die nach außen hin noch nicht gefallen sind“, sagt Lee und lächelt. Schließlich haben die Eisbären beste Beziehungen nach Nordamerika, gehören doch Klubeigner Philip Anschutz auch die Los Angeles Kings aus der National Hockey-League. Der Kontakt mit dem General Manager der Kings, Dean Lombardi, sei eng. Ein Hauch der weiten Welt umweht Lees Worte. Künftig wollen die Eisbären ja in der großen Eishockey-Welt spielen, die neue Großarena am Ostbahnhof, die „O2 World“, duldet ja schon von ihrem Namen her keinen Provinzmief. Es sei halt komplex, das Anforderungsprofil für den Trainer, erzählt Lee. „Wir haben nun immerhin schon fünf junge deutsche Nationalspieler herausgebracht. Wir brauchen jemanden, der unser Nachwuchsprojekt fortführen kann.“

„Die jungen Spieler sollen in der neuen Halle zu Leistungsträgern werden“, sagt Moritz Hillebrand, Sprecher der Anschutz Entertainment Group. Schließlich böten Vereinstreue deutscher Spieler Identifikationspotenzial für Fans. Dass sich Lee mit der Trainersuche ein wenig Zeit lässt, irritiert angeblich im Unternehmen niemanden. „Es gibt einen Zeitplan, und der ist noch nicht ausgereizt“, sagt Hillebrand. Außerdem sei das ja auch keine Trainersuche, sondern eine „Auswahl“.

Jackson, der die Eisbären 2005 als Kotrainer von Pagé mit zum Titel führte, ist der Wunschkandidat. Der US-Amerikaner passt von seinem Arbeitsstil zu den Eisbären: Er kann junge deutsche Spieler fördern, das hat er zuletzt in zwei Jahren Düsseldorf gemacht. Unter ihm sind Alexander Sulzer und Robert Dietrich zu Größen im Team geworden. Was zudem für Jackson spricht: Er war vor einigen Wochen schon zu Gesprächen in Berlin. Noch immer aber erwägt Jackson, aus familiären Gründen in seine Heimat zurückzukehren. Wenn er dann in zwei Wochen doch wieder nach Berlin kommt, wird Don Jackson der neue Trainer der Eisbären sein. Dann wollen die Berliner ihren neuen Coach präsentieren. Noch länger ohne Trainer, das schaffen auch die Eisbären nicht.

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