Sport : Komödienstadl Köpenick

Auf Unions Mitgliederversammlung geht es turbulent zu

André Görke

Berlin. Heiner Bertram war schlecht in Form. „Eisern Union!“, sagte er voller Stolz und voller Polemik, „gerade ich habe dieses Ethos gepflegt!“ Und jetzt lachten die Mitglieder des 1. FC Union, einer schrie lauthals: „Aber nur in der Presse!“ Nee, antwortete Bertram irritiert, „in der Tat!“

Es ging hoch her auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Fußball-Zweitligisten, es wurde gelacht und noch viel mehr geschimpft. Vor rund 800 Mitgliedern äußerten sich Heiner Bertram, der ehemalige Präsident, und der Aufsichtsrat, der diesen vor sechs Wochen durch Jürgen Schlebrowski ersetzt hatte, zu den Vorwürfen der vergangenen Tage. Von „Putsch“ (Bertram) war die Rede und von „Zuständen wie im Politbüro“ (Bertram).

Die jetzige Führungsetage hat eine Vision: Sie will das Präsidium und den Aufsichtsrat um zwei Personen erweitern. Und Aufsichtsratschef Uwe Rade will die „kurzfristig drohenden Liquiditätsprobleme“ lösen. Wie das gehen soll, sagte er nicht. Erst einmal ging es ja auch zu wie im Kabarett. Bertram, der sich zuletzt abfällig über Trainer Mirko Votava äußerte, verkündete einen Tag nach dem 2:0-Sieg gegen Osnabrück, dass der derzeitige sportliche Erfolg „nicht von ungefähr“ käme. Votava verließ daraufhin empört den Raum, woraufhin sich Bertram mit den Worten entschuldigte: „Ich wusste nicht, dass er hier ist, ich habe ihn nicht begrüßt beziehungsweise er hat mich nicht begrüßt.“ Das Publikum pfiff. Noch seltsamer wurde es, als Aufsichtsratschef Rade ernsthaft meinte, dass der Erfolg des Teams mit den Entscheidungen des Aufsichtsrates zu tun habe. Auch dafür setzte es Pfiffe.

So ging das hin und her, stundenlang, immer laut und immer unsachlicher, die bedrohliche Situation des Vereins wurde dargestellt, aber keine Konzepte wurden vorgelegt. Zwar wurde der ehemalige Schatzmeister Armin Friedrich ausdrücklich in Schutz genommen, „weil er gute Arbeit gemacht hat“ (Rade). Den Verein drücken aber über neun Millionen Euro Verbindlichkeiten, „kurzfristig 180 000 Euro“ (Rade). Hinzu kam das egozentrische Verhalten Bertrams, das letztlich ausschlaggebend war für seine Abberufung. Nach einer heftigen Debatte votierten schließlich 461 der 756 stimmberechtigten Mitglieder für den Aufsichtsrat, der so zumindest bis zur turnusmäßigen Neuwahl im Mai kommenden Jahres weiterarbeitet.

Wenn der gestrige Tag zumindest eine Erkenntnis gebracht hat, dann die: „Der Verein ist am Leben.“ Das hat Bertram gesagt, und damit hat er Recht. Mit dem ehemaligen Präsidenten aber geht es nicht weiter. Und über die Zusammensetzung des Aufsichtsrates dürfen sich die Mitglieder bald Gedanken machen. Im Mai 2004. Bei der turnusgemäßen Versammlung.

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