Sport : Kompany: die Nummer 10 beim HSV

Karsten Doneck

Düsseldorf - Seine größte Verpflichtung trägt Vincent Kompany auf dem Rücken. Thomas Doll, der Trainer des Hamburger SV, hat dem belgischen Nationalspieler die Trikotnummer 10 verpasst. Eine bewusst vorgenommene Maßnahme. Die „10“ steht schließlich symbolisch für große Spielerpersönlichkeiten: Maradona, Platini, Netzer – um nur einige zu nennen. Beim HSV trug in der vorigen Saison Sergej Barbarez die „10“. Barbarez ging zu Bayer Leverkusen, Kompany „erbte“ seine Nummer. Der 20-Jährige, vom RSC Anderlecht nach Hamburg gekommen, steht zwar in der eher für rustikale Aufräumarbeiten zuständigen Innenverteidigung, machte in seinem ersten Pflichtspiel für den HSV der Trikotnummer aber dennoch Ehre. Nicht einmal so sehr, weil er in Düsseldorf im Ligapokal das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg über Hertha BSC erzielte. Vielmehr ermunterte Kompanys elegantes Zweikampfverhalten die mitgereisten 600 HSV-Fans in der LTU-Arena immer wieder zu Szenenapplaus. Auch Thomas Doll verfiel nach Kompanys Auftritt gegen Hertha ins Schwärmerische: „Er kann eine richtige Waffe für uns werden, gerade weil er sehr schnell handelt, besonders bei den Standardsituationen.“

Diese These hatte Vincent Kompany gegen Hertha untermauert. Wohlgemerkt: Nicht im eigenen Strafraum hatte der Abwehrspieler seinen Drang zu flotten Taten bewiesen, sondern auf der anderen Seite, vor dem Hertha-Tor. Einen vom Pfosten zurück klatschenden Freistoß von Rafael van der Vaart drückte er kurz nach der Pause zum entscheidenden 1:0 über die Linie. Kein eindrucksvoller Treffer, sicherlich. Viel auffälliger war, wie er die angestammte Arbeit im eigenen Abwehrbereich erledigte . Vor allem sein feiner, technisch geschliffener Stil wird in der kommenden Saison in der Bundesliga seinesgleichen suchen. Thomas Doll freilich genügt die filigrane Seite an Kompany alleine nicht. Er mahnt bei seinem neuen Star an, das Abwehrverhalten mit mehr Robustheit zu kombinieren. „Er muss in der Innenverteidigung rigoros dazwischengehen“, sagt Doll und verspricht: „Das lernt er bei uns.“

Die Diskussion in Hamburg, ob es richtig war, Daniel van Buyten für zehn Millionen Euro zu Bayern München ziehen zu lassen, könnten bald verstummen. Vergleiche mit seinem Landsmann und Vorgänger hört Vincent Kompany selbst nicht so gern. „Ich habe doch einen ganz anderen Stil als van Buyten“, sagt Kompany. Van Buyten war bei aller auch vorhandenen Technik doch eher von rustikaler Art: ein Kämpfer, ein Draufgänger.

Für Kompany hat der HSV 7,5 Millionen Euro nach Anderlecht überwiesen, so viel wie noch für keinen Profi zuvor. Thomas Doll ist davon überzeugt, dass sich die Investition Cent für Cent rechnen wird: „Er ist sehr sicher im Passspiel, kann auch den langen Pass spielen, und er hat immer gute Ideen.“ Seine beste Idee, zumindest was den Geschmack der HSV-Fans angeht, hat Vincent Kompany schon bei seiner Vorstellung in Hamburg öffentlich gemacht. „Ich bin hierher gekommen, um Meister zu werden“, sagte Kompany, „wenn nicht in diesem Jahr, dann eben später.“

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