Sport : Kompromiss in München 1860 holt Startrainer Sven-Göran Eriksson

und hofft auf weitere Millionen des Investors.

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Blick nach vorn. Eriksson will mit den Investormillionen in die Bundesliga. Foto: AFP
Blick nach vorn. Eriksson will mit den Investormillionen in die Bundesliga. Foto: AFPFoto: AFP

München - Man kennt das aus der Politik, von Kabinettsitzungen oder EU-Gipfeln. Bei Fußball-Zweitligisten sind Verhandlungsmarathons bis tief in die Nacht eher selten, zumal solche, auf die eine breite Öffentlichkeit schaut. Der TSV 1860 München aber ist über die Grenzen Münchens als etwas chaotischer und diskussionsfreudiger Klub bekannt, und so war es kein Wunder, dass die Bosse des Vereins am Dienstagmorgen nach sieben Stunden Beratung erst um 2.57 Uhr vor die noch zahlreich wartenden Journalisten traten. Sie hatten bemerkenswerte Neuigkeiten zu verkünden: Sven-Göran Eriksson, weltbekannter Trainer und ehemaliger Coach der englischen Nationalmannschaft, wird künftig zusammen mit Trainer Alexander Schmidt die Mannschaft betreuen. Was aber noch wichtiger ist: Das Abenteuer mit Investor Hasan Ismaik wird durch diesen Schachzug weitergehen – wenn auch mit Unwägbarkeiten.

Es hatte wieder einmal alles auf der Kippe gestanden bei den Löwen. Vor sieben Tagen sah alles danach aus, als sei der erste deutsche Klub mit einem arabischen Investor eben diesen Geldgeber schon bald wieder los. Der einstige Retter, der den Verein vor eineinhalb Jahren mit 18,4 Millionen Euro vor dem Untergang bewahrte, hatte sich mit der Vereinsführung überworfen. Der Multimillionär peilt mit viel Geld und wirtschaftlichem Risiko den Aufstieg in die Bundesliga an, Präsident Dieter Schneider und der Aufsichtsrat wollen diesen Kurs nicht mitgehen. Einen Ausstieg Ismaiks, der jährlich Millionenzuschüsse leistet, würde der Verein aber wohl nicht verkraften.

Also hat der Aufsichtsrat am Dienstagmorgen einen Kompromiss mit dem Geschäftsmann aus Abu Dhabi geschlossen: Sven-Göran Eriksson bildet zusammen mit Alexander Schmidt das Trainergespann, der Investor bleibt dafür bei der Stange. „Positiv und gut“ nennt der Vorsitzende des Aufsichtsrats Otto Steiner diese Entscheidung. Dabei birgt die Vereinbarung erhebliche Risiken für den Verein, sportlich wie sportjuristisch. Zwar ist formal nichts zu beanstanden, die DFL könnte diese Lösung aber so interpretieren, dass Hasan Ismaik den Verein finanziell unter Druck gesetzt hat, um seinen Vertrauensmann Eriksson in der sportlichen Leitung zu installieren. Die „50+1“-Regel der DFL schreibt jedoch vor, dass die Vereine stets die Entscheidungshoheit behalten müssen. Andere Klubs werden nun genau beobachten, wie die DFL reagiert.

Sportlich dagegen hatte sich Präsident Schneider vor allem deshalb gegen Eriksson gewehrt, weil ein weltbekannter Trainer wie der Schwede wohl exklusive und damit teure Vorstellungen für einen angemessenen Kader hat. Das würde das wirtschaftliche Risiko weiter erhöhen. Wie sehr 1860 bei der nächtlichen Entscheidung unter Druck stand, zeigt auch, dass die Vereinsbosse bis jetzt noch nicht einmal mit Eriksson geredet haben. Nur auf Einladung Ismaiks hatte er sich vor der Winterpause drei Spiele von 1860 angesehen, darunter die Begegnung in Berlin gegen Hertha. Robert Schäfer will die Gespräche in den nächsten Tagen nachholen. „Eriksson kann eine Chance sein“, ließ der Geschäftsführer verlauten. Ein Abenteuer für 1860 wird die schillernde Personalie auf jeden Fall. Florian Fuchs

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