Sport : Konditionstraining hört nie auf

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Es spielte keine Rolle, warum die Spieler am Nachmittag nicht mehr spielten. Es war nur wichtig, dass es so war. Die Fußballprofis von Hertha BSC durften sich gestern ein paar schöne Stunden machen. Vermutlich werden sie alle das Gleiche gemacht haben. Sie werden sich daheim ein weiches, kühles Plätzchen gesucht haben, wo sie ihre Beine haben hochlegen können.

Man kann über Huub Stevens, den neuen Trainer des Berliner Bundesligisten, einiges sagen, nur nicht, dass er seine Mannschaft nicht genügend rannehme. Wer weiß, was den Niederländer getrieben hat, das zweite Training am Tag einfach auszusetzen. Bisher dauerte noch jede Einheit mindestens zwei Stunden. Der Applaus, der sich nach seiner ersten Übungsstunde vor zehn Tagen spontan unter den Spielern breit machte, ist verhallt. Vielleicht lag es auch am für Mannschaft wie Trainer nervigen Fotoshooting, das sich der Vormittagseinheit anschloss. Zudem hatte das Berliner Champions Camp („Die Fußballferienschule für die Stars von morgen“) eine 80-beinige Delegation von 5- bis 8-Jährigen vorbeigeschickt, die für ein reges Durcheinander sorgte. Einen solchen an Ablenkung reichen Tag wird es so bald nicht mehr geben bei Hertha BSC. Huub Stevens höchstpersönlich wird das überwachen.

„Die Beine sind schwer“, sagte Kapitän Michael Preetz, der den überraschend gewonnenen freien Freitagnachmittag mit einem Geschenk Gottes verglich. Heute werden er und die Mannschaft nach Wien fahren und dort gegen Rapid Wien ein Freundschaftsspiel absolvieren. „Wir sind ziemlich platt, und in Österreich hat die neue Saison begonnen. Da können wir keine Wunderdinge erwarten.“

Huub Stevens wird das nicht gänzlich anders sehen, gleichwohl hat auch er keine Wunderdinge für das sich anschließende Trainingslager in Kaprun versprochen. Der Schwerpunkt wird weiterhin im Ausdauerbereich liegen, oder wie es Herthas neuer Konditionstrainer Carsten Schünemann diplomatischer sagt: „Konditionstraining hört nie auf. Aber es wird jetzt mehr zum Ball hin gehen.“ In Österreich geht es um die Stammplätze. „Ich habe eine Formation schon im Kopf“, sagte Stevens, „aber ich werde nicht sagen, wie sie aussieht. Jeder soll eine Chance bekommen, sich zu empfehlen.“

Gestern stieg auch Bart Goor ins Training ein. Der Belgier war bei der WM in Asien im Einsatz, weshalb sich sein Urlaub um ein paar Tage verschoben hatte. So wie bei Marko Rehmer und dem Kroaten Josip Simunic. Während Rehmer an einer Fußverletzung laboriert, trainierte Pal Dardai gestern wieder mit. Der Ungar hatte sich im Testspiel am Mittwoch in Magdeburg einen Riss an der Augenbraue zugezogen, der mit vier Stichen genäht wurde. 36 Stunden später ging er im Training schon wieder in die Zweikämpfe.

Andere Spieler werden da noch ein paar Tage brauchen, um sich an die neuen Gegebenheiten gewöhnt zu haben. Und auch Huub Stevens wird neue Erfahrungen machen. Zumindest aber ist dem Niederländer schon mal gelungen, Stimmung in die Mannschaft zu bringen. Auch wenn schon lange keiner mehr in die Hände klatschen mag. Michael Rosentritt

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