Sport : Konfessionslos in der Kirchenliga

Mit 71 Punkten in einem Spiel stellt der Berliner Ofori-Attah in den USA einen Rekord auf

Benedikt Voigt

Berlin. Als Edwin Ofori-Attah am 8. September 2003 auf dem Flughafen von Washington in die USA einreisen wollte, führte ihn ein Beamter der Einwanderungsbehörde in einen Raum, der von mehreren bewaffneten Sicherheitskräften bewacht wurde. Der inzwischen 19-Jährige musste sich auf einen Stuhl setzen, den er in den nächsten Stunden sehr gut kennen lernen sollte. Auf ihm verbrachte der deutsche Basketballer insgesamt 24 Stunden. Ohne Schlaf, ohne Essen, ohne Trinken. Seine Mutter vermutet, dass er wegen der Namensähnlichkeit mit dem Terroristen Mohammed Atta besonders genau überprüft wurde. „Ich glaube das nicht“, sagt Edwin Ofori-Attah. Die Amerikaner hätten einfach längere Kontrollen für Austauschschüler eingeführt. „Mann, das war hart“, sagt sein ehemaliger Teamkollege Raed Mostafa. „Aber das hat ihn nicht abgeschreckt – er hat ja einen Traum.“

Es ist der Traum eines jeden Basketballspielers. „Ich möchte in der NBA spielen“, sagt Edwin Ofori-Attah. Diesem Ziel ist der Berliner in den letzten Monaten ein kleines Stück näher gekommen. Weil er im Dezember für die Statesville Christian High School in einem Spiel 71 Punkte erzielte und den Rekord des US-Bundesstaates North Carolina verbesserte, besitzt er schon eine gewisse Prominenz. „N.C. scoring mark broken“, schrieb der „Charlotte Observer“. Sogar die „Tagesthemen“ widmeten dem ehemaligen Aufbauspieler des Zweitligisten TuS Lichterfelde einen längeren Filmbeitrag. Darin wurde er als Deutscher bezeichnet, der den Amerikanern das Basketballspielen beibringt. Eine Aussage, die besser auf den deutschen NBA-Star Dirk Nowitzki passt. Und nicht auf einen High-School-Spieler.

„Das war alles ein bisschen übertrieben“, sagt Burkardt Prigge. Der Kotrainer von Alba Berlin verweist darauf, dass der Sohn eines ghanaischen Vaters und einer deutschen Mutter in einer Kirchenliga spielt, in der die Teams nicht so gut sind. „Resurrection“, „First Assembly“ oder „Word of God“ heißen einige Gegner dieser Saison. Edwin Ofori-Attah gehört keiner Konfession an, doch die christliche Ausrichtung seiner Schule stört ihn nicht. „Es ist nicht so, dass sie sich mit ihrem Glauben aufdrängen“, erzählt er. Wenn sein Team vor einem Spiel gemeinsam betet, hält er seine Hand in die Mitte. Und sagt nichts.

Als Ofori-Attah im vergangenen Jahr an der Montrose Christian Highschool bei Washington D.C. spielte, hat er sich nicht durchsetzen können. Das war jedoch eine Schule, die im landesweiten Ranking an Nummer fünf gesetzt war. Doch Ofori-Attah weiß selber, dass sein Rekord nur einen begrenzten Wert hat. „Die 45 Punkte gegen Mount Zion zählen für mich mehr.“ Diese High School rangiert gegenwärtig an Nummer zwei in den USA. Gegen diese Schule erzielte der 1,92 Meter große Shooting Guard in einer Halbzeit 42 Punkte. Und verlor trotzdem.

Inzwischen sind einige Colleges auf den Schüler aufmerksam geworden, der in Berlin nach dem Realschulabschluss die Oberschule beendete. „Er hatte zu viele Fehlzeiten mit der Nationalmannschaft und mit dem Verein“, sagt seine Mutter Johanna Ofori-Attah. In den USA buhlen inzwischen Universitäten und Colleges um seine basketballerischen Fähigkeiten.

Am Samstag besuchte er die University of South Carolina. Die University of Minnesota, die University of Oklahoma und Vanderbilt hatten ihn schon eingeladen. „Die machen das sehr schlau“, sagt Ofori-Attah, „die führen dich in einen Raum, da hängt dann ein Trikot mit deinem Namen.“ Einen Pokal mit der Gravur: „Leading Scorer: Edwin Ofori-Attah“ hat er auch schon mal gesehen. „Das ist nicht immer die Wahrheit, was sie dir dort erzählen – aber ich weiß auch damit umzugehen.“

Noch ist seine Zukunft nicht entschieden. Alba Berlin bot ihm bereits im vergangenen Sommer einen Vertrag als Doppellizenzspieler an. „Ich fühle schon noch, dass ich bei Alba und Lichterfelde dazu gehöre“, sagt der Aufbauspieler. Doch die erste Option ist momentan erst mal ein College. „Es ist mir sehr wichtig, dass ich auch eine schulische Ausbildung bekomme.“ Zudem ist der Sprung vom College in die NBA immer noch der naheliegendste.

Der Traum von der NBA rettete ihn auch in jener Nacht auf dem Flughafen von Washington. Zunächst versuchte er auf seinem Stuhl zu schlafen. Als das nicht funktionierte, packte er ein Buch über den NBA-Star Allen Iverson aus. Es hieß: „Fear No One“. Auch Edwin Ofori-Attah hatte keine Angst.

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