Sport : Konkurrenz gesucht

Die deutschen Kombinierer sind erfolgreich, aber ihre Sportart gerät mehr und mehr in den Hintergrund

Benedikt Voigt

, Ruhpolding

In Ruhpolding dominiert momentan die Farbe Weiß. Dicke Wolken, die aus Österreich über die Grenze ziehen, schneien den oberbayerischen Luftkurort im Chiemgau ein. Die Sicht ist so trübe, dass viele Wintersportler ihre Ski freiwillig stehen lassen. Gar nicht so schlecht für den heutigen Sprint-Wettbewerb der Nordischen Kombination in Ruhpolding (11 Uhr Springen, 13.15 Uhr Sprint-Langlauf, live in der ARD), findet Ulrich Wehling, der Direktor des Internationalen Skiverbands (Fis): „Wenn die Touristen nicht Skifahren können, kommen sie vielleicht zu uns.“

Bis zu 5000 Zuschauer werden heute zum „Preis um den Ruhpoldinger Bären“ erwartet – falls das schlechte Wetter nicht auch die Planungen der Kombinierer beeinträchtigt. Keine schlechte Zahl für eine Sportart, die im Winter eher zu den Randsportarten zählt. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt“, sagt Wehling, der für den Internationalen Skiverband die Wettkämpfe verantwortet. „Die Zuschauerzahlen und das Medieninteresse nehmen zu.“ Das deutsche Team besitzt in Ronny Ackermann sogar den deutschen Sportler des Jahres 2005. Dennoch sagt Thomas Pfüller, Generalsekretär des Deutschen Skiverbandes: „Ich betrachte die internationale Entwicklung in der Nordischen Kombination mit Sorge.“

Es gibt nur wenige Länder, die diese spezielle Kombination aus Skispringen und Langlaufen betreiben. Gegenwärtig starten 18 Nationen im A- oder B-Weltcup. „Von diesen Nationen betreiben zu wenige diese Sportart ernsthaft, das sind nicht mehr als fünf oder sechs Nationen“, sagt Pfüller. In Ruhpolding gehen zwölf Athleten aus seinem Skiverband an den Start, die sich nach der ersten Wettkampfperiode für den A-Weltcup qualifiziert haben. Das könnte für die Stärke der Mannschaft von Bundestrainer Hermann Weinbuch sprechen. Für Pfüller zeigt das auch die Schwäche der anderen Nationen. „Das Niveau in der Nordischen Kombination ist nicht ganz so hoch wie in anderen Sportarten, das macht mir Sorgen.“

So seien übermäßig viele Sportler in der Kombination keine Spitzenathleten. „Nur bei den ersten 15 Athleten im Weltcup geht es doch richtig zur Sache“, sagt Pfüller. Dass es frühere Topsportler wie Martin Schmitt im Skispringen nicht unter die besten 50 schaffen, wie beim Neujahrsspringen, so etwas könne in der Kombination nicht vorkommen. Wehling ist entspannter. „In anderen Sportarten gibt es auch ein deutliches Leistungsgefälle“, sagt er. „Beim Neujahrsspringen gab es doch auch nur zwei oder drei Athleten, die über 120 Meter springen konnten.“

Pfüller fürchtet um die Stellung der Kombination zwischen Biathlon, Skispringen und Langlaufen. „Das Springen ist dominant, und auch der Langlauf hat sich viel einfallen lassen, um attraktiver zu werden“, sagt der Generalsekretä r, „da muss die Kombination aufpassen.“ Er wolle sich mit seinem Verband nach den Olympischen Spielen bei der Fis für Veränderungen einsetzen. „Man könnte das Springen und die Kombination näher zusammenbringen.“ So könne er sich gemeinsame Wettkämpfe an einem Tag vorstellen: Morgens absolvieren die Kombinierer beide Wettkämpfe, am Nachmittag die Skispringer. Bei schlechtem Wetter aber brächte dieser Zeitplan Probleme. Dann müssten sämtliche Wettbewerbe nach hinten verschoben werden. „Und dann bekommt man Probleme mit den Fernsehzeiten“, sagt Pfüller.

Bei der Fis hört man seine Vorschläge nicht so gerne. „Wir können nicht ständig Neuerungen bringen“, sagt Wehling. Ohnehin gebe es im Winter bereits einige gemeinsame Veranstaltungen. „Aber wir haben auch eigene Traditionsorte.“ Ruhpolding ist das noch nicht, erst zum zweiten Mal wird heute der „Preis um den Ruhpoldinger Bären“ vergeben.

Dieser ist übrigens nach dem letzten in Deutschland geschossenen Braunbären benannt. Der ist im Jagdmuseum München ausgestellt – erlegt wurde er vor 176 Jahren in Ruhpolding.

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