Konkurrenzkampf im Eisbären-Tor : Rotation zur Unzeit

Kurz vor Beginn der Play-offs kämpfen beide Torhüter der Eisbären so hart wie nie um den Posten als Nummer. Am Freitag gegen München ist wieder Rob Zepp dran.

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Wer steht da im Tor? Bei den Eisbären wechselt das.
Wer steht da im Tor? Bei den Eisbären wechselt das.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Sie werden jetzt nicht übereinander herfallen. Nicht verbal und erst recht nicht mit ihren durchtrainierten Eishockeykörpern. Dafür sind die beiden Torhüter einfach zu erfahren, meist lächeln sie den Konkurrenzkampf nordamerikanisch-professionell weg. Genug Gründe für ein paar Angriffe, ein paar Spitzen in Richtung des anderen hätten sie aber allemal. Denn nur zwei Spieltage vor Beginn der Play-offs kämpfen Rob Zepp und Kevin Nastiuk härter denn je um den Posten als Nummer eins bei den Eisbären Berlin.

Wer nun das Tor hüten darf, wenn es in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) darauf ankommt, weiß bisher nicht mal ihr Trainer. „Die Entscheidung fällt mir schwer“, sagt Don Jackson, vielleicht auch, weil so viel mit ihr einhergeht. Immerhin hält nicht nur der Berliner Trainer die Position zwischen den Pfosten für „die allerwichtigste im Eishockeysport“. Viel öfter als beispielsweise im Fußball entscheiden Torhüter die Spiele zugunsten und manchmal auch zuungunsten ihrer Mannschaften.

So war es auch in den beiden zurückliegenden Begegnungen der Eisbären – beide Male hat Kevin Nastiuk seinen Berlinern da den Sieg gesichert. Erst in Augsburg, als er beim Stand von 0:3 für den stocksauren Rob Zepp eingewechselt wurde und die Eisbären danach noch 4:3 gewannen. Dann in Köln, wo er in Verlängerung und Penaltyschießen gerade noch das 7:6 für sein Team festhielt. „Richtig wohlgefühlt“ habe sich der 25 Jahre alte Kanadier im Berliner Tor, sagt er. Gemütlich machen kann er es sich dort trotzdem nicht, weil am heutigen Freitag, wenn die Eisbären in eigener Halle auf den EHC München treffen (19.30 Uhr), wieder sein vier Jahre älterer Kumpane für ihn spielen wird.

Dass Don Jackson gerade kurz vor Beginn der Endrunde ein hektisches Rein und Raus in seinem Tor betreibt, sagt viel über die holprige Spielzeit seines Teams aus – und über die Verunsicherung. „In dieser Saison laufen die Dinge anders als sonst“, sagt der Trainer. „Wir kassieren mehr Gegentore und machen uns das Leben oft selbst schwer.“ So schwer, dass der Trainer, der sich bislang immer für Rob Zepp als Stammgoalie ausgesprochen hatte, zurzeit selbst etwas ratlos wirkt.

Viel ungünstiger hätte die neue Verschärfung des Duells ja auch kaum fallen können, hat Jackson doch nur noch zwei Spiele Zeit, sich für einen der beiden zu entscheiden, wenn er nicht gerade das Wagnis eingehen möchte, seine Rotation in den Ausscheidungsspielen fortzusetzen. Die Praxis könnte diesbezüglich für Rob Zepp sprechen. Dreimal spielte der deutsche Nationaltorwart schon in den Play-offs der DEL, „keiner hat so ein gutes Fitnesslevel wie er“, sagt Jackson. In der Tat ist der Deutsch-Kanadier Trainingschampion der Eisbären, aber er zeigte gerade in dieser Saison im Wettkampf eben auch ein paar Schwächen.

Kevin Nastiuk gibt sich weniger verbissen als sein Torwartkollege, seine Reflexe findet der Coach jedoch „mindestens genauso gut“. Zudem hätte der Kanadier, der so lange nur Ersatzmann war, im Augenblick das Momentum auf seiner Seite. „Wir wollen beide jedes Play-off-Spiel bestreiten, das ist klar“, sagen sowohl Kevin Nastiuk als Rob Zepp. Die Tatsache, dass beide nach eigenen Angaben dennoch ein freundschaftliches Verhältnis zueinander pflegen, will dazu nicht recht passen. Nastiuk berichtet sogar von gemeinsamen Lacheinheiten und Witzeleien.

Zuletzt hat man davon nicht mehr viel gesehen.

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