Sport : Konsequent inkonsequent

Christian Hönicke über das Urteil in der Formel-1-Affäre

Christian Hönicke

Sind die Affären und Intrigen in der Formel 1 nun beendet? 100 Millionen Dollar und alle Punkte in der Konstrukteurs-WM verliert der Rennstall McLaren-Mercedes, weil er Daten des Rivalen Ferrari gestohlen haben soll. Es ist die härteste Strafe der Sportgeschichte – und dennoch nur eine Verurteilung zweiter Klasse. Wenn die Spionage des Teams tatsächlich erwiesen ist, hätten ihm auch die Punkte in der Fahrer-WM gestrichen werden müssen. Schließlich hätten die Führenden Lewis Hamilton und Fernando Alonso zuallererst profitiert.

So aber schadet das allein auf Vermutungen beruhende Urteil der Formel 1 noch mehr als McLaren selbst. Es war in seiner Sonderbarkeit erwartbar, weil es die Linie der willkürgleichen Rechtssprechung des Automobil-Weltverbands Fia konsequent fortführt. Sinn macht es erst, wenn es als Waffe im Krieg der Egos begriffen wird, der nach Regeln funktioniert, die nur Eingeweihte verstehen. Nicht wenige von ihnen vermuten, dass der Weltrat der Fia bei der Entscheidung die Interessen von Fia-Präsident Max Mosley berücksichtigte: seinem Intimfeind, McLaren-Chef Ron Dennis, auf die Finger zu klopfen, dabei aber nicht die spannende WM zu ruinieren. Gleichzeitig wurde den anderen Feinden von Dennis, den Teamchefs Jean Todt (Ferrari) und Flavio Briatore (Renault), Genugtuung verschafft.

Das Urteil ist ein Indiz dafür, dass die Machtkämpfe im Fahrerlager ein Ausmaß erreicht haben, das den Sport zu erdrücken droht. Mit den derzeit handelnden Personen scheint kein Ausweg möglich. Im Gegenteil: Der gekränkte Ron Dennis hat bereits zum Gegenschlag ausgeholt. Er wird wohl Berufung einlegen und die nächste Spionageaffäre lostreten: Renault soll Informationen eines früheren McLaren-Mitarbeiters für den Bau seines Autos benutzt haben. Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Nein, die Affären und Intrigen in der Formel 1 sind nicht beendet. Sie gehen gerade erst los.

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