Sport : Konsequenz oder Sippenhaft?

Das Vorgehen des DLV findet Lob und Kritik

Friedhard Teuffel

Berlin - Nach dem Beginn eines Ermittlungsverfahrens gegen die frühere 400-Meter-Weltspitzenläuferin Grit Breuer und 800-Meter-Olympiasieger Nils Schumann sowie Anzeigen gegen den Athletenmanager Jos Hermens und den Arzt Miguel Peraita ist der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in Politik und Sport gelobt worden. „Ich kann dem DLV nur für seine Konsequenz gratulieren“, sagte etwa Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Die Verdächtigten übten dagegen Kritik an der Vorgehensweise des Verbandes. Der DLV hatte in den Prozessakten des wegen Minderjährigendopings verurteilten Trainers Thomas Springstein Anhaltspunkte für weitere Dopingvergehen gefunden. Alle Verdächtigten bestreiten die Vorwürfe.

Schumanns Manager Frank Thaleiser übte Kritik am DLV. „Bisher sind lediglich alle Mitglieder aus Springsteins Trainingsgruppe zu einer Stellungnahme zum Besitz von Dopingmitteln aufgefordert worden.“ Daraus einen Generalverdacht zu ziehen, ist für Thaleiser „Sippenhaft“. Er glaube nicht, dass in den Akten Belastendes gegen Schumann zu finden sei. „Nils war 2003 und 2004 bei Springstein. 2003 ist er zwei Mal operiert worden, 2004 ist er gar nicht gelaufen. Ich frage mich daher, was das soll.“ Dennoch sei sein Klient „absolut kooperationsbereit. Es gibt nichts zu verheimlichen.“ Inzwischen hat der DLV auch gegen einen dritten Athleten ein Verfahren eingeleitet. Es handele sich aber nicht um einen Kaderathleten.

Schumann droht eine zweijährige Sperre, Breuer hat ihre Karriere bereits beendet, es könnten ihr und dem DLV jedoch rückwirkend einige Staffeltitel aberkannt werden. Dagmar Freitag, sportpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, befürchtet, dass es möglicherweise gar kein Verfahren gegen Breuer geben könnte. „Wenn sie aus ihrem Verein austritt, platzt das ganze Sportgerichtsverfahren.“ Als sich Springstein 1993 wegen des Skandals um seine Sprinterinnen Breuer und Katrin Krabbe vor einem Sportgericht verantworten sollte, hatte er sich ebenfalls durch einen Vereinsaustritt entzogen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar