Sport : Konstant variabel

Hertha BSC sucht in dieser Saison noch nach der Stammelf – und will sich dabei weiterentwickeln

Mathias Klappenbach,Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Vor ein paar Wochen sah es so aus, als habe Falko Götz seine elf Spieler gefunden. Dreimal hintereinander schickte der Trainer von Hertha BSC dieselbe Startformation in der Bundesliga auf den Platz, das hatte er in dieser Saison zuvor kein einziges Mal getan. Doch auch die Mannschaft, die vom siebten bis zum neunten Spieltag auflief, ist nicht die Stammelf der Berliner. Ein Grund dafür, dass sich in dieser Saison noch kein härterer Mannschaftskern herausgebildet hat, sind die bisherigen Verletzungen von Spielern wie Gilberto oder Yildiray Bastürk. Die beiden Mittelfeldspieler fallen heute gegen den 1. FC Kaiserslautern (15.30 Uhr, Olympiastadion) erneut aus. Doch es liegt nicht nur an den Verletzungen einzelner Spieler, dass die Fluktuation auf dem Platz in dieser Saison höher ist als in der vergangenen.

Nur zwei Spieler haben bisher alle elf Bundesligaspiele für Hertha bestritten, Kapitän Arne Friedrich und Marcelinho. Die Berliner haben bisher 22 Spieler eingesetzt, nur drei Vereine in der Bundesliga haben noch mehr Profis ausprobiert. In der vergangenen Rückrunde setzte Hertha insgesamt nur 19 Spieler ein, inklusive Sejad Salihovic oder Fredi Bobic, die nicht auf viele Spielminuten kamen. Hertha hatte eine weitgehend eingespielte Mannschaft, das variable System mit vier offensiven Mittelfeldspielern funktionierte deshalb so gut, weil das Personal immer dasselbe war. Auch diese Eingespieltheit führte dazu, dass die Mannschaft den vierten Tabellenplatz erreichte.

Pal Dardai beispielsweise durfte dazu auf dem Platz nur wenig beitragen. Im zentralen defensiven Mittelfeld war Niko Kovac besser, der Ungar saß die meiste Zeit auf der Bank. Das hat sich in den letzten Wochen geändert. „Beide sind fast auf dem gleichen Niveau. In das Erscheinungsbild der Mannschaft passt momentan Pal Dardai besser“, sagt Falko Götz. Dabei geht es gar nicht mehr prinzipiell um die Frage, ob Dardai oder Kovac spielt. Beide kamen zuletzt mehrfach gleichzeitig zum Einsatz.

In dieser Saison ist nicht nur das Spielsystem variabel, sondern auch die Besetzung. Oliver Schröder, Thorben Marx, Ellery Cairo, Andreas Neuendorf: Gerade im Mittelfeld dürfen sich mehr Spieler mehr Hoffnungen auf mehr Einsatzzeit machen. „Es ist in diesem Jahr so, dass der eine oder andere einspringt, der sich über einen Kurzeinsatz oder im Training empfohlen hat“, sagt Götz. „Weil wir in drei Wettbewerben spielen, ist die Belastung größer. Ich bin froh, dass wir einen Kader von 20 bis 25 Spielern haben.“

Hertha spielt noch im DFB-Pokal und auch wieder im Uefa-Cup, aber auch damit ist der offenere Kampf um die Plätze im Team noch nicht erklärt. Falko Götz stellt die Mannschaft noch mehr nach dem kurzfristigen Leistungsprinzip zusammen als in der vergangenen Saison. „Das tägliche Training ist unser Wettbewerb für das Spiel“, sagt Götz. Zwar sind Gilberto, Bastürk und natürlich Marcelinho weiterhin gesetzt, falls sie fit sind. Aber die anderen haben aufgeholt, und Götz hat mit der personellen Rotation auch mehr taktische Variationen erprobt und seine Handlungsmöglichkeiten erweitert.

Wenn man nach dem sechsten Tabellenplatz geht, hat sich der in dieser Saison kaum veränderte Kader dadurch allerdings noch nicht spürbar weiterentwickelt. Statt viele neue Spieler zu holen, war genau diese Weiterentwicklung der Mannschaft vor der Saison von Hertha als Programm ausgegeben worden. Dennoch sagt Thorben Marx, der im letzten Heimspiel gegen Mainz eingewechselt worden war und vor einer Woche in Stuttgart in der Startformation stand: „Ich habe nur gespielt, weil die anderen verletzt sind. An meiner grundsätzlichen Situation hat sich nichts geändert.“ Offenbar haben noch nicht alle Spieler erkannt, welche Chancen sich ihnen in dieser Saison bieten.

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