Kontrapunkt : Die Fußball-WM muss nach England

Vor der heutigen Entscheidung des Fußball-Weltverbands Fifa erklärt Markus Hesselmann im „Kontrapunkt“, warum die WM 2018 unbedingt in England stattfinden sollte.

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"Drei Fifa-Topmänner 'wurden bestochen'" - so lautet die Schlagzeile des BBC-Programms "Panorama".
"Drei Fifa-Topmänner 'wurden bestochen'" - so lautet die Schlagzeile des BBC-Programms "Panorama".Screenshot: Tsp

Die nächste Fußball-WM muss England ausrichten. Nicht, weil die Briten der Welt den Fußball geschenkt haben. Das Klischee vom „Mutterland des Fußballs“ will ich hier nicht aufwärmen. Oder dass es für uns Deutsche doch schön wäre, die Engländer schon wieder in ihrem eigenen Land zu schlagen. Auswärtssieg! Wie bei der EM 96, wie beim letzten Spiel im alten Wembleystadion, wie beim ersten deutschen Auftritt im neuen... Und natürlich, um ihnen zu zeigen, dass wir auch ohne Wembley-Tore gegen sie Weltmeister werden können. Das alles hätte seinen Reiz. Aber um fußballhistorische Anekdötchen soll es hier auch nicht gehen.

Die nächste WM muss nach England – vor allem wegen der englischen Medien. Was im Rennen um die WM-Vergabe jetzt als Nachteil diskutiert wird, weil es Fifa-Oberen missfällt – die Enthüllungen der BBC und anderer über Korruption im Weltfußballverband -, ist in Wirklichkeit das beste Argument für England.

Acht Jahre Durchleuchtung durch die frechsten Medien der Welt, von der Entscheidung heute Nachmittag in Zürich bis zum Abpfiff des Endspiels im Sommer 2018 in Wembley, täte dem verknöcherten Klub aus Zürich unbedingt gut. Aufklärung und Erneuerung - was den Fifa-Oberen im eigenen Haus selbst nicht gelingt, muss durch die geballte Kraft von BBC, „Guardian“ und anderen erzwungen werden. Nähme die Fifa ihre Beteuerungen über einen angeblichen Kampf gegen verbandseigene Verfehlungen auch nur ein bisschen ernst, dann müsste sie sich dem zu erwartenden Dauerfeuer stellen und heute für England votieren.

So wie die Olympischen Spiele 2012 in London nach dem Größenwahnsinn von Peking eine Chance zum Neuanfang, zur Rückbesinnung auf die Basis bieten, so könnte eine Fußball-WM in England kathartisch auf den Weltfußball wirken. Deshalb sollte die WM 2018 nach England gehen statt nach Portugal/Spanien, Belgien/Niederlande - und vor allem nicht nach Russland. Dort werden die Medien gegängelt bis hin zum Mord an kritischen Journalisten. Dort fühlen sich aber viele Fifa-Bonzen sicherlich wohler als auf der Insel.

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