Sport : „Kontrolleure müssen unabhängig sein“

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Der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke ist seit Jahren einer der profiliertesten Antidopingaktivisten in Deutschland. Nach dem Skandal um seinen Fahrer Jan Ullrich hat das Team T-Mobile einen runden Tisch zum Doping vorgeschlagen und will dafür auch Franke gewinnen.

Herr Franke, würden Sie sich an einem runden Tisch des Radsports gegen Doping beteiligen?

Ich entziehe mich nicht, wenn es der Wahrheitsfindung dient. Aber wenn T-Mobile Doping ernsthaft bekämpfen will, dann sollten sie lieber unabhängige Kontrollen fördern. Die Erfolgsquote von T-Mobile und der Telekom bei der Dopingbekämpfung ist ja nicht besonders hoch.

Hat sich denn im Radsport durch die Suspendierung einiger Fahrer wie Jan Ullrich etwas verändert?

Warum sollte es? Der Radsport ist durch und durch korrupt. Ich frage mich, warum ARD und ZDF so viel Gebühren und auch die Telekom so viel Geld ausgeben für die Tour de France. Von den Siegern der Tour haben fast alle etwas mit Doping zu tun gehabt. Der Vorsitzende der Welt-Antidopingagentur Richard Pound hat doch erst jetzt wieder dem Internationalen Radsport-Verband vorgeworfen, dass er keine richtigen Dopingkontrollen außerhalb des Wettkampfs durchführe und keine Fortschritte im Kampf gegen Doping erkennbar seien. Vernichtender geht es doch nicht.

Wie könnte der Radsport seine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen?

Er wäre für mich erst dann wieder glaubwürdig, wenn nur unabhängige Personen für die Dopingkontrollen zuständig wären. Der Internationale Skiverband hat das gut hinbekommen und als obersten Experten Bengt Saltin geholt. Der ist Hochschullehrer und verfolgt keine Eigeninteressen. In den Dopingkontrolllabors werden aber so viele Leute von den Sportverbänden bezahlt. Das sind doch Alibikontrolleure. Man kann auch nicht ausschließen, dass es so läuft wie im Fall um das Balco-Labor in Kalifornien, wo das Designersteroid THG entwickelt wurde. Balco-Chef Victor Conte hat erzählt, dass er einen Informanten im Doping-Kontrolllabor hatte. Warum soll es bei den Doping-Netzwerken des Radsports nicht auch so sein?

Die Fragen stellte Friedhard Teuffel.

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