Sport : Kontrollierte Offensive

Armstrongs Team feiert den Etappensieg von Paolo Savoldelli und die Führung in der Mannschaftswertung

Hartmut Scherzer

Revel - Lance Armstrong lachte, plauderte und radelte so nebenbei durch die schöne französische Landschaft. Den Amerikaner scheinen die letzten Tage bei der Tour de France kaum zu fordern. Gestern stand zwar auf der Fahrt von Pau nach Revel die längste aller Etappen dieses Jahres auf dem Programm, doch auf der 240 Kilometer langen Strecke gab es keinen anderen Spitzenfahrer, der die Kraft aufbrachte, dem Träger des Gelben Trikots gefährlich zu werden. Am Ende konnte sich Armstrong darüber freuen, dass sein Teamgefährte Paolo Savoldelli Etappensieger wurde und Discovery Channel die Führung in der Mannschaftswertung übernahm.

Armstrongs Konkurrenz war gestern zu sehr mit ihren eigenen Schwächen beschäftigt. Bei T-Mobile etwa ging es nach der Aufgabe von Andreas Klöden nur darum, Mickael Rasmussen abzuschütteln – der Däne liegt nämlich in der Gesamtwertung noch mit 2:49 Minuten einen Platz vor Jan Ullrich. Doch auch das gelang nicht. Alle Widersacher von Armstrong, so auch Ivan Basso, kamen zeitgleich mit dem Amerikaner ins Ziel . Immerhin: Der Vorsprung des sechsfachen Tour-Siegers vergrößerte sich gestern auf der 17. Etappe nicht. Im Gesamtklassement führt er weiter mit 2:46 Minuten Vorsprung auf den Italiener Basso. Ullrich bleibt mit 5:58 Minuten Rückstand auf Armstrong auf Rang vier.

Schon früh hatte gestern eine größere Gruppe von Ausreißern ihr Glück versucht. Armstrong und sein Team hatten dann auch nichts gegen einen Ausflug der Gruppe einzuwenden – schließlich war in ihr kein Profi, der dem US-Amerikaner in der Gesamtwertung noch hätte gefährlich werden können. Für T-Mobile war es kein guter Tag: Nach dem Ausscheiden von Klöden hatten Matthias Kessler und Tobias Steinhauser gestern Probleme mitzuhalten. Da war es ein wenig versöhnlich für das Team, dass Oscar Sevilla zu den Ausreißern gehörte. Der Spanier durfte sich austoben. Um mehr ging es nicht: Sevilla hatte als bestplatzierter Fahrer unter den gestrigen Ausreißern mehr als 38 Minuten Rückstand im Gesamtklassement auf Armstrong.

60 Kilometer vor dem Ziel hatte die Gruppe der 17 Ausreißer sogar 24 Minuten Vorsprung auf das Feld herausgefahren. Etwa 30 Kilometer später setzten sich acht Fahrer ab, darunter waren der Norweger Kurt-Asle Arvesen (CSC) und auch Oscar Sevilla und Savoldelli. Der Vorsprung der acht Radprofis wuchs schnell an, die zurückgelassenen sieben Fahrer konnten nicht mehr folgen. Auf den letzten Kilometern fiel die Gruppe dann auseinander. Arvesen sprintete drei Widersachern vor Beginn des letzten Kilometers davon, wurde aber in einem spannenden Finale doch noch vom Italiener Paolo Savoldelli überholt. Der diesjährige Sieger des Giro d’Italia gewann damit erstmals in seiner Karriere eine Etappe bei der Tour. Oscar Sevilla erreichte schließlich mit 51 Sekunden Rückstand als Sechster das Ziel von Revel – die Führung in der Mannschaftswertung verlor T-Mobile trotzdem an Discovery Channel.

Die Gruppe mit Armstrong, Basso und Ullrich kam mehr als 22 Minuten nach dem Sieger ins Ziel. Ullrich hatte am letzten Aufstieg noch einmal versucht, Rasmussen abzuschütteln. Vergebens. „Ich habe es immer wieder probiert“, sagte Ullrich. „Aber der Berg war einfach nicht anspruchsvoll genug.“

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