Sport : Kontrollierte Spiele

Benedikt Voigt rechnet nicht mehr mit einem heiteren Peking

Benedikt Voigt

Es werden gute Spiele in Peking werden, begeisternde und fröhliche. Die Politik wird kaum eine Rolle spielen, und nach der Schlussfeier wird klar sein, dass es die richtige Entscheidung war, diese Spiele in China veranstaltet zu haben. Denn sie werden unbestreitbare Fortschritte für 83 Millionen Menschen in China bringen. Mehr Rechte und, wichtiger noch, größere gesellschaftliche Anerkennung. Schon heute lässt sich sagen, dass sie ein Erfolg werden – die Paralympics in Peking.

Für die Olympischen Spiele hingegen gilt 100 Tage vor ihrer Eröffnung exakt das Gegenteil. Sie werden umstritten und politisiert bleiben. Zwar versuchen gegenwärtig das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die chinesische Regierung die tiefsten politischen Gräben zuzuschütten, die sich seit März aufgetan haben. Doch ihre Bemühungen können nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass das Pekinger Organisationskomitee mit dem Slogan „One World, one Dream“ vollkommen daneben gegriffen hat. Wie der Fackellauf beweist, gibt es zwei Sichtweisen auf diese Olympischen Spiele: eine westliche und eine chinesische.

Während sich der Westen für Menschenrechte und Tibet interessiert, ist in China die Begeisterung für die Olympischen Spiele ungebrochen. Die Chinesen sind stolz auf die Leistungen, die ihr Land vollbracht hat. Und tatsächlich: Das rot strahlende Vogelneststadion und das blau leuchtende würfelförmige Schwimmstadion werden eine großartige Kulisse für die Olympiasieger 2008 bilden. Trotzdem werden es keine heiteren, sondern kontrollierte und inszenierte Spiele. Das hat die Olympiageneralprobe gezeigt. Alle fünf Meter säumten Soldaten die menschenleere Strecke, im Stadion schwenkten einheitlich gekleidete Zuschauer rhythmisch ihre Fähnchen. Wie beim DDR-Turnfest in Leipzig. Und anstatt die Welt willkommen zu heißen, hat China aus Angst vor Demonstrationen die Visabestimmungen verschärft. Unbeschwerte, allgemeine Fröhlichkeit kommt so kaum auf. Diese Aufgabe bleibt den Paralympics überlassen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben