Sport : Kontrollmängel

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Berlin. Der Brief datiert vom 11. Juni, und er hat es in sich. Der komplette Vorstand der Leichtathletik-Abteilung des SC Charlottenburg (SCC) teilt den Mitgliedern der Leichtathletik-Abteilung seinen Rücktritt mit. In einer 54-seitigen Dokumentation, die dem Tagesspiegel vorliegt, listet der Vorstand seine Vorwürfe auf. Kernpunkt ist ein Streit um die Laufveranstaltungen der Abteilung wie den Berlin-Marathon.

Abgewickelt werden die Wettbewerbe von der SCC GmbH. Deren Anteile wurden zwar mit Geldern der Abteilung gekauft, doch Kontrolle über die Ein- und Ausgaben der Laufmeetings hat die Abteilung nicht. Diese Überwachung, so steht es in der Dokumentation, habe satzungswidrig das SCC-Präsidium verhindert. Stattdessen leite die GmbH Rechnungen des Marathons an die SCC-Abteilung weiter, die, laut Dokumentation, „aufgrund der Verträge dort nicht in Rechnung gestellt werden dürften“. Das habe im Wirtschaftsjahr 2000 dazu geführt, dass die Abteilung auf einem Fehlbetrag von rund 690 000 Mark saß. Allein der Marathon habe 2000 einen Verlust von rund 400000 Mark gebracht. Der SCC konnte monatelang seine Übungsleiter nicht bezahlen. 2001 dagegen erwirtschaftete der Marathon wieder rund 700 000 Mark Gewinn. Die Abteilungsfunktionäre konnten aber weder die Verluste noch die Gewinne richtig nachvollziehen. Deshalb traten sie jetzt zurück. SCC-Vizepräsident Jörg Wischhusen dagegen erklärt: „Die Vorwürfe sind nicht zutreffend.“ Ins Detail wollte er nicht gehen. Aber es gab in der GmbH-Geschäftsführung einen Wechsel, verbunden mit Strukturveränderungen. Wohl auch eine Folge des internen Streits.

Aber noch ein Problem taucht auf. Sind SCC und SCC GmbH zu sehr verbunden? Der Steuerberater Detlef von Glowacki schrieb am 3. Janur 2002, Steuerprüfer hätten diese Nähe im Auge gehabt. Sollte eine solche Nähe bestehen, müsste die GmbH erhebliche Steuern bezahlen. „Die damit verbundenen steuerlichen Folgen“, schrieb von Glowacki, „wären katastrophal.“ Frank Bachner

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