Sport : Konversation mit dem Ball

Eine Geschichte des österreichischen Fußballs

Erik Eggers

Wer zu Österreichs Fußballgeschichte schreibt, muss sich stilistisch mit großen Vorbildern messen lassen. „Sie machten mit dem Ball so flüssige Konversation, dass der Gegner gar nicht zu Wort kam, und wussten im richtigen Moment den wuchtigsten aller Szenenabschlüsse hinzuschmettern: das Goal.“ – So beschrieb einst Schriftsteller Friedrich Torberg jene Mannschaft, die bei der WM 1954 erst im Halbfinale von den Deutschen gestoppt wurde. Diese Erzähltradition macht das Buch, in dem Skocek/Weisgram ein Jahrhundert österreichischer Geschichte erzählen, noch bemerkenswerter.

Den beiden freien Autoren ist Spektakuläres gelungen: Ihre Geschichte ist sozusagen das Äquivalent zu jener Ästhetik, mit der 1931/32 das so genannte Wunderteam den europäischen Kontinent verzauberte und die Deutschen 6:0 besiegte. Leichtfüßig, elegant und ironisch erzählen Skocek/Weisgram von der Entstehung des „calcio danubiano“ (Donaufußballs) in den zwanziger Jahren, vom Absturz der Wiener Fußballkunst nach 1954, vom „Wunder von Cordoba“ 1978, der „Schmach von Gijon“ 1982 und dem Tiefpunkt 1990: der 0:1-Niederlage gegen die Färöer. Auch werden, vor dem jeweiligen gesellschaftlichen Hintergrund, diffizile Kapitel wie die deutsche Besatzungszeit 1938-1945 und die umstrittene Figur Mathias Sindelar souverän austariert. Großartige Bilderstrecken runden das Buch ab. Nur ein Rätsel bleibt: Wann gibt es ein solch sensationelles Werk endlich für den deutschen Fußball?

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