Sport : Konzentration verloren

In wichtigen Spielen hat Hertha nur selten Erfolg

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Die vier Fußballer umarmten sich, die Kinder sangen. Ein hübsches Gruppenfoto mit Malik Fathi, Gilberto, Sofian Chahed und Niko Kovac wird bald in einem Berliner Kindergarten hängen. Gutes Wetter, gelöste Stimmung: Das Training von Hertha BSC gestern Vormittag wollte nur bedingt zu dem passen, was einen Abend zuvor im Olympiastadion passiert war. 1:5 hieß es am Ende gegen Leverkusen, die direkte Qualifikation für den Uefa-Cup ist kaum noch möglich. Hertha spielte phasenweise guten, schnellen Fußball mit vielen hochkarätigen Chancen. Selbst Leverkusens Teammanager Rudi Völler gab hinterher zu, dass „das Ergebnis lügt“.

Nach dieser Saison werden sich nicht mehr viele an Völlers Worte erinnern. Hertha hat wieder einmal ein entscheidendes Spiel verloren. In der vergangenen Saison kamen die Berliner im letzten Spiel nicht über ein 0:0 gegen Hannover 96 hinaus, mit einem Sieg hätte Hertha die Qualifikationsrunde zur Champions League erreicht. „Wenn es darauf ankommt, sind wir immer zweiter Sieger“, sagt Niko Kovac. Er sieht dieses Problem auch in einzelnen Spielsituationen, etwa bei ruhenden Bällen: „Nie sind wir nah genug dran, immer wieder.“ 20 Gegentore haben die Berliner in dieser Saison nach Standardsituationen kassiert. In der Winterpause wurde intensiv per Video an der Verbesserung der Abwehr bei Ecken und Freistößen gearbeitet. Kurzfristig stellte sich eine Verbesserung ein, in den letzten beiden Spielen kam der Rückfall. Hertha kassierte in Gladbach und gegen Leverkusen vier Gegentore nach Standardsituationen. Laut Trainer Falko Götz ist das „reine Konzentrationssache“.

Auch das Durchsetzungsvermögen in entscheidenden Spielen ist nur schwer zu trainieren. In dieser Hinsicht ist für Kovac keine Besserung in Sicht, „da haben wir doch schon so häufig drüber geredet, das geht nicht“. Am Dienstag wurde Kovac von den auch nach dem Spiel nicht schlecht gelaunten Fans gefeiert. Der Vertrag des 34-Jährigen wird nicht verlängert, in der nächsten Saison geht es ohne den Kroaten weiter. Und ohne Josip Simunic. Kovacs Nationalmannschaftskollege lehnte am Dienstag ein Angebot zur Vertragsverlängerung ab.

Vier Spieler aus der zweiten Mannschaft werden aufrücken, zudem wird sich Hertha laut Götz „punktuell verstärken“. Das Team wird auf jeden Fall deutlich verjüngt – vielleicht entsteht ja eine Mannschaft, die in den entscheidenden Situationen die Oberhand behält. Schnell dürfte das allerdings nicht gehen.

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