Sport : Konzentriert und hellwach

hpd

Das Hotel Concorde, eine Unterkunft der gehobenen Kategorie, liegt im Herzen von Kuala Lumpur. Abends wird in der Hotelbar schon mal kräftig in die Saiten gegriffen und auf die Pauke gehauen. Wenn dann die phonstarken Livebands auf der Bühne gerade mal ihre wohlverdiente Pause machen, weht Musik vom nebenan gelegenen Hard Rock Cafe herüber. Vor dem Etablissement führt auch noch eine mehrspurige Straße vorbei, auf der fast Tag und Nacht lärmend der Autoverkehr rollt.

Im Hotel Concorde, einem mächtigen Bau mit nahezu 20 Stockwerken und über 600 Zimmern, sind die Männer-Nationalmannschaften während der Hockey-Weltmeisterschaft untergebracht. Den Spielern mag es nicht leicht fallen, sich bei derlei Lärmquellen auf das sportliche Ereignis zu konzentrieren. Den Deutschen scheint das indes recht gut zu gelingen. Mit einem 3:2 (2:1)-Sieg über Rekord-Weltmeister Pakistan zogen sie gestern ins Halbfinale der Titelkämpfe ein. Gegner ist dort morgen Südkorea.

Schon um fünf Uhr in der Früh mussten die Spieler beider Mannschaften aus ihren Hotelbetten steigen. Noch im Dunkeln trafen sie im Stadion ein, wo um 8 Uhr 35 Ortszeit der Anstoß erfolgte. "Gar nicht so einfach", fand Christian Mayerhöfer, der sein 300. Länderspiel bestritt, die Bewältigung dieses Zeitplans. Doch mit dem Anpfiff waren die deutschen Spieler hellwach, führten durch Sascha Reinelt und Florian Kunz bald mit 2:0. Pakistan indes glich aus: durch zwei Eckentore von Sohail Abbas kurz vor und kurz nach der Pause.

Bundestrainer Bernhard Peters bewahrte dennoch die Ruhe. "Man merkte meiner Mannschaft an, dass sie den Einzug ins Halbfinale schaffen wollte", sagte er. Mannschaftskapitän Florian Kunz erzielte nach einer Strafecke den Siegtreffer. Ausgerechnet Florian Kunz. Dem Zwei-Meter-Mann, sonst als treffsicher bekannt, klebte in den ersten sechs Gruppenspielen das Schusspech am Schläger. Er forderte also von daheim seinen alten, schon leicht lädierten Hockeyschläger an. Per Kurier wurde das gute Stück von Mönchengladbach nach Braunschweig geschafft. Von dort nahm es die Mutter seines Mannschaftskameraden Michael Green im Handgepäck mit nach Kuala Lumpur. Rechtzeitig zum Spiel gegen Pakistan traf der Schläger ein. Und prompt trifft Kunz wieder. "Irgendwann musste der Knoten platzen", sagte der 30-Jährige, der voriges Jahr bei der Champions Trophy Torschützenkönig war.

Sieben Spiele in nur zehn Tagen liegen hinter den Deutschen. "Eine normale WM wäre jetzt schon zu Ende, aber hier geht es erst richtig los", klagt Torschütze Sascha Reinelt über das große Starterfeld mit 16 Teams. Als "nicht zu verantworten" empfindet gar Bundestrainer Peters das Programm. In vier Jahren bei der nächsten WM ist die Rückkehr zu zwölf Teilnehmern geplant.

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