Sport : Konzentriert zum Sieg

Die Eisbären gewinnen 5:2 beim Tabellenvierten Hannover Scorpions

Claus Vetter[Hannover]

Die Schlusssirene in der Tui-Arena hat einen besonders penetranten Klang. Am Ende von Eishockeyspielen dröhnt der Ton eines Nebelhorns durch die Halle in Hannover. Für die Spieler der Eisbären war das Geräusch gestern aber eines, über das sie sich ausgiebig freuten: Endlich einmal hatten sie mit den Hannover Scorpions eine Mannschaft der oberen Kategorie der Deutschen Eishockey-Liga bezwungen. Dazu kam, dass der 5:2 (2:1, 1:1, 2:0)-Erfolg der Berliner verdienter Lohn für eine konzentrierte Leistung war.

Pierre Pagé wirkte gerührt, als er nach Spielende durch die Katakomben der Halle schritt. „Das war so wichtig für uns nach all den Misserfolgen“, sagte er. „Darauf können wir aufbauen.“ Der Trainer der Eisbären hatte ein „sehr schönes Spiel“ seines Teams gesehen. Angreifer Mark Beaufait erzählte: „Ich habe den Jungs in der zweiten Pause gesagt: Lasst uns das beste Drittel der Saison spielen.“ Offenbar hatten ihm die Mitspieler zugehört, denn die Eisbären verschluderten diesmal nicht wie sonst häufiger mal ihren knappen Vorsprung im letzten Abschnitt, sondern machten aus einem 3:2 sogar noch ein 5:2.

Zwei Drittel lang hatten die Scorpions ihren Gegner offensichtlich angesichts dessen Tabellenposition – die Berliner traten als Zehnter beim Vierten an – unterschätzt. Denn die Eisbären spielten gestern „mit Köpfchen“, wie ihr verletzter Angreifer Stefan Ustorf auf der Tribüne feststellte. Sein Team ließ sich auch durch unglückliche Gegentore nicht aus dem Konzept bringen: Nach der Berliner Führung durch Tobias Draxinger hatte Sascha Goc ausgeglichen, dem 2:1 von Sven Felski folgte im zweiten Abschnitt das Kontertor zum 2:2 durch Derek Bekar. Danach aber trafen nur noch die Eisbären: Andy Roach erzielte mit einem Schlagschuss das 3:2 und als zu Anfang des letzten Drittels zwei Hannoveraner auf der Strafbank saßen, gelang Steve Walker das Tor zum 4:2 für die Eisbären.

Hannovers Trainer Hans Zach nahm in der Schlussphase seinen Torwart Alexander Jung zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Beaufait bugsierte den Puck ins verwaiste Tor zum 5:2, Zach legte sich mit den eigenen Fans an, indem er eine wegwerfende Geste in ihre Richtung machte. Die Anhänger der Scorpions hatten gerufen: „Wir woll’n euch kämpfen sehen.“ Zach sagte später: „Natürlich haben wir gekämpft. Meine Mannschaften kämpfen immer.“ Und das machte den Berliner Sieg umso wertvoller, den die rund 500 Eisbären-Fans schon lange vor Spielende feierten – bis die Schlusssirene der Tui-Arena ihren Jubel über den sechsten Sieg im 16. Punktspiel für ein paar Sekunden übertönte.

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