Sport : Konzept ohne Geheimnis

Warum die Eisbären nicht aus ihrer Krise finden

Claus Vetter

Berlin - Pierre Pagé lächelte sogar ein wenig, als er am Sonntag das Sportforum Hohenschönhausen verließ. Er wirkte erleichtert, der Trainer der Eisbären. Der Kanadier hatte nach der 1:2-Niederlage gegen Krefeld wieder einmal nach Herzenslust gemäkelt. Sein Team habe nicht das in der Deutschen Eishockey-Liga nötige Niveau, sei nicht fit und brauche „eine neue Philosophie“. Das allerdings sind Dinge, für die ein Trainer zuständig ist. Gab Pagé zu, Schuld daran zu tragen, dass seine Spieler zurzeit in entscheidenden Phasen oft hilflos wirken und nach 24 Spielen auf einem für den Meister blassen elften Platz liegen?

Der Trainer ist sich aber keiner Schuld bewusst, gestern versuchte Pagé allerdings, den Interpretationsrahmen des von ihm Gesagten einzuengen: „Wir sind in einer Krise, aber es ist nicht mehr an mir, Antworten darauf zu geben. Das muss jemand anders machen.“ Er hat da wohl an seinen Manager Peter John Lee gedacht. Pagé hatte schon mal die seiner Meinung nach zu kurze Saisonvorbereitung kritisiert. Eigentlich will er nichts mehr sagen, dann klagt er: „Wir hatten eines der fünf besten Aufbauprogramme in Europa und nun haben wir wohl eine Pause eingelegt.“ Die Spieler hätten zu wenig Ausdauer, seien zu langsam. Man müsse sich die Frage stellen: „Warum spielen die nicht so gut wie vergangenes Jahr?“

Ja, warum Herr Manager? „Die konditionellen Werte bei unseren Spielern sind besser als in der vergangenen Saison“, sagt Peter John Lee. Und dann sei es so, dass zur derzeitigen Lage „jeder seine Meinung hat“. Er sei aber dafür, das alles intern zu klären. Daher würden sich auch Trainerstab und Management am Dienstag an einen Tisch setzen. Obwohl ja reden eigentlich nicht so viel bringe. „Besser spielen wäre besser“, sagt Lee und wird noch einmal ernst: „Ich wäre ja verrückt, wenn ich sagen würde, dass ich nicht an die Mannschaft glaube.“ Glaubt die Mannschaft noch an sich? Angreifer Sven Felski sagt: ja. „Aber mittlerweile wissen in der Liga alle, wie wir spielen.“ Mit ihrem offensiven System haben die Berliner zwei Titel gewonnen, es hätten auch vier sein können, so sehr haben sie die Liga vier Jahre lang dominiert. Dann haben sie sich stets in der laufenden Saison mit Spielern verstärkt und wurden dank neuer Impulse immer besser. Diesmal scheint das nicht zu funktionieren: Das dazugestoßene Personal – Jeff Jillson, Kyle Wharton und Denis Pederson – ist noch nicht fit, hat noch keine Ideen ins Spiel eingebracht. Dem Gesamtkonzept Eisbären fehlt das überraschende Moment – jenseits der Bande und auf dem Eis.

Sven Felski findet, dass seine Mannschaft wieder überraschen muss. „Eine andere Taktik“, findet der Stürmer, könne etwas bringen. „Defensiv spielen, Kontern und so mehr Tore schießen.“ Wenn das so einfach wäre, sagt Lee. „Außerdem ist unser System defensiv, so wenig Chancen wie wir zulassen.“ Nein, es fehle der letzte Wille, mal ein Tor reinzuwurschteln, so wie Krefeld das beim 1:1-Ausgleich und auch beim Siegtreffer im Penaltyschießen gemacht hätte. Da sind sich Manager und Trainer einig. Den Profis fehle das Verlangen, etwas zu erreichen, sagt Pagé und ist wieder bei sich angekommen. An sich ist ein Trainer für die Motivation zuständig. Aber der erfahrene Kanadier hat ja mit viel Engagement zwei Meistertitel geholt. Daran liegt es wohl, dass Pagé bei den Eisbären vieles kritisieren darf und sein Klub den Glauben an eine gute Zukunft nicht verlieren will – dem aktuellen Tabellenstand zum Trotz.

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