Sport : Konzeptionell erfolglos

Stefan Hermanns

Vielleicht wird sich der gestrige Tag einmal als ein guter Tag für den 1. FC Köln erweisen. Vielleicht werden sie in fünf Monaten in Köln sagen, dass sie Rapolder damals, kurz vor Weihnachten, gerade noch rechtzeitig entlassen haben, damit Toppmöller (resp. Sammer, Augenthaler oder ein anderer der üblichen Verdächtigen) den Verein vor dem Abstieg retten konnte.

Für den deutschen Fußball war der gestrige Tag ein schlechter. Mit Rapolders Entlassung endet in der Bundesliga eine kurze Ära der Modernität, die eng mit seinem Namen verbunden war. Noch im Frühjahr wurde Rapolder in Bielefeld gefeiert, weil er mit einem unterdurchschnittlich besetzten Kader überdurchschnittlich erfolgreich war. Konzeptfußball wurde sein Prinzip genannt, wobei das Konzept darin bestand, individuelle Schwächen durch kollektive Geschlossenheit zu kompensieren. Dem Establishment ist diese theoretische Herangehensweise einer neuen Fußball-Intelligentia an ein einfaches Spiel immer suspekt gewesen, und in der vergangenen Woche hat das alte Fußball-Deutschland zurückgeschlagen: erst Rudi Assauer gegen Ralf Rangnick, dann Wolfgang Overath gegen Uwe Rapolder. Die Praxis hat wieder über die Theorie gesiegt.

Es war allerdings auch ein gewagtes Experiment, Rapolder nach Köln zu holen, zu einem Verein, in dem der Starkult exzessiver betrieben wird als in jedem anderen, in dem Prinz Poldi von den Boulevardmedien längst in einen gottähnlichen Zustand geschrieben worden ist. Rapolder hat viele Fehler gemacht: in der Außendarstellung, im Umgang mit Lukas Podolski, bei der Zusammenstellung des Kaders. Dass es jedoch nicht ganz falsch war, das Spiel der Mannschaft von Podolski unabhängiger zu machen, werden die Kölner vermutlich im Sommer merken. Wenn Podolski von Köln zu den Bayern wechselt.

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