Kooperation : Füchse und VfL Potsdam - über Umwege nach oben

Die Füchse Berlin und der 1. VfL Potsdam erhoffen sich von ihrer Kooperation Impulse für den Nachwuchs. Ein Beispiel dafür, wie es laufen könnte, gibt es auch schon.

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Berlin/Potsdam – Ein wenig deplatziert wirkten die beiden Männer schon. Wie zwei verirrte Direktoren saßen sie in ihren feinen Anzügen an einem Tisch, Bauart: Schulbank, der direkt im Mittelkreis der Sporthalle aufgestellt worden war. Für Frank Steffel und Holger Rupprecht ging es an diesem Abend allerdings auch nicht um optische Oberflächlichkeiten, sondern um schriftlich fixierte Zielvereinbarungen, insofern passte ihr Outfit. Im Rahmen des Testspiels zwischen den Füchsen Berlin und dem 1. VfL Potsdam hatten Steffel, Präsident des Berliner Bundesligisten, und Rupprecht, ehemaliger brandenburgischer Bildungsminister und Vereinsvorsitzender des VfL, zuvor einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, von dem sich beide Klubs positive Effekte erhoffen. Stichwort: Anschluss- und Talentförderung.

Wie die konkrete Zusammenarbeit zwischen den Vereinen idealerweise aussehen soll, lässt sich gut am Beispiel von Ramon Tauabo erzählen. Der 20-Jährige, geboren und aufgewachsen in Berlin, Sohn einer deutschen Mutter und eines mosambikanischen Vaters, durchlief zunächst die Jugendstationen bei den Füchsen und entwickelte sich in dieser Zeit zum Juniorennationalspieler. Beim Übergang in den Männerbereich hatten die Berliner ob des großen Konkurrenzkampfs jedoch keine Verwendung für den Rechtsaußen. „Ramon hat damals einfach noch ein wenig mehr Zeit benötigt“, sagt Bob Hanning, der Manager der Füchse und Tauabos Jugendtrainer. Also ließ ihn der Klub ein halbes Jahr beim damaligen Zweitligisten in Potsdam spielen, Einsätze garantiert. „Für meine persönliche Entwicklung waren diese sechs Monate sehr hilfreich“, sagt Tauabo, „kein Vergleich zu dem, was ich aus zweiten Mannschaft der Füchse in der Regionalliga kannte.“ Manchmal, ergänzt Tauabo, sei es einfach der bessere Weg, als begabter Handballer erst über Umwege in die Bundesliga zu gelangen. Ganz ähnlich versuchen es die Füchse im Moment schließlich mit Jonas Thümmler: der junge Kreisläufer trug in der vergangenen Saison auf Leihbasis das Trikot von Zweitligist Bad Schwartau, in diesem Jahr darf er nun im Berliner Bundesligateam mitmischen, wobei das auf seiner Position durchaus wörtlich zu nehmen ist. „Vor allem im körperlichen Bereich muss man sich in den entscheidenden Jahren zwischen 18 und 20, 21 extrem steigern“, sagt Tauabo, „und spieltaktisch nimmt man viele Erfahrungswerte mit, aus einzelnen Situationen“. Bei Tauabo hat das erfolgreich funktioniert. Vor ein paar Wochen unterschrieb er beim TuS Nettelstedt-Lübbecke seinen ersten Profivertrag.

Zurück in Potsdam freuen sich die Verantwortlichen des 1. VfL kaum weniger über die neuerliche Kooperation mit den Berlinern. „Wir können im Moment jede Hilfe gebrauchen“, sagt Alexander Haase. Der 37-Jährige, Ur-Potsdamer, hat bis vor wenigen Wochen als Co-Trainer für die Füchse gearbeitet, mittlerweile gehört er beratend zu jenem neuen Team, das mit nicht weniger als der Sanierung seines insolventen Heimatvereins betraut wurde. „Andererseits dürfen wir auch nicht zu schwarzmalen“, sagt Haase, „sportlich haben wir gute Bedingungen in Potsdam“: die neue Arena, die Sportschule um die Ecke, der Landesstützpunkt. Nur einen Haken hat die Sache mit der Zusammenarbeit noch, da klingen Haase und Hanning identisch: So richtig profitieren beide Vereine erst davon, wenn Potsdam wieder zweitklassig spielt. Christoph Dach

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