Sport : Kopf aus der Wand

Nach Kritik sucht Bayers Trainer Dutt den Dialog

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Zweite Reihe. Dutt (M.) wechselt den späteren Torschützen Ballack ein. Foto: dapd
Zweite Reihe. Dutt (M.) wechselt den späteren Torschützen Ballack ein. Foto: dapdFoto: dapd

Wolfgang Holzhäuser sah etwas mitgenommen aus. Unter den Augen des Leverkusener Geschäftsführers lagen dunkle Ringe, das hellblaue Hemd war an einer Stelle über den Gürtel gerutscht – und passend zum nicht ganz perfekten Outfit sprach Bayers Boss recht lässig über Robin Dutt. Der Trainer der Rheinländer konnte nach dem zähen 2:0 seiner Elf gegen den KRC Genk einen Stoßseufzer der Erleichterung gen Himmel schicken. Hatte ihn Sportdirektor Rudi Völler nach den drei vorangegangenen Niederlagen beim FC Chelsea, gegen den Lokalrivalen Köln und in München doch bereits daran erinnert: „Fußball ist ein Ergebnissport.“

Im zweiten Spiel in der Champions League stimmte jetzt zumindest das Resultat. Daher ging Holzhäuser das wohlwollende Urteil über Dutts Umgang mit den Bayer-Profis nachher auch leichter über die Lippen. „Er hat zuletzt viel mit Spielern wie Simon Rolfes oder Michael Ballack gesprochen“, berichtete der Vereinschef, der zudem wusste: „Dabei gibt er mal Zug, mal lässt er nach.“ Kurzum: „Er macht das, was man machen muss.“ Was beim ins Liga-Nirgendwo abgerutschten Vizemeister nach der letzten Misserfolgsserie auch unumgänglich geworden war.

Dutt selbst machte aus seinem inzwischen offeneren Kommunikationsstil nach dem Erfolg über den Belgischen Meister kein Geheimnis. Schließlich weiß der 46-Jährige genau, dass die Bayer-Spitze nach dem auf Harmonie bedachten Fußballlehrer Jupp Heynckes mit ihm gezielt einen im Umgang härteren Trainer eingestellt hat. In Freiburg, wo er zuletzt arbeitete, lobten die Spieler seine ruhige Art und seine Fähigkeit, für jedes Problem eine Lösung parat zu haben. In Leverkusen jedoch wollen die Kicker das Problemelösen nicht Dutt allein überlassen.

Der ehrgeizige Coach hat das eingesehen und sprach nach dem Genk-Spiel nun etwas kryptisch über das Miteinander in Leverkusen. Den Ausdruck „atmosphärische Dinge“ nahm der gebürtige Kölner dabei kurz in den Mund. Wobei diese Atmosphäre laut Dutt neuerdings so aussieht: „Manchmal macht die Mannschaft einen guten Vorschlag, dann muss ich ihr recht geben. Und beim nächsten Mal will ich dann, dass etwas so oder so gemacht wird.“

Nationalspieler André Schürrle sagt über den Trainer zwar, er sei „vorher schon sehr kommunikativ“ gewesen. Die Widerstandslosigkeit, in der sich das Team zuletzt in die Niederlagen gegen Köln und die Bayern ergab, ließ jedoch auf ein eher ungesundes Verhältnis von Trainer und Mannschaft schließen. „Natürlich muss man hier ein paar Dinge anders machen, als ich es gewohnt bin“, gestand Dutt nun ein – nachdem vor dem Gastspiel in München Kapitän Rolfes die Gelegenheit genutzt hatte, die unterschiedlichen Charaktere des letzten und des aktuellen Leverkusen-Trainers deutlich zu beschreiben.

„Jupp Heynckes“, erinnerte sich der 29-Jährige da fast wehmütig an den im Sommer zu den Bayern zurückgekehrten Coach, „ist nach seiner Auszeit vom Fußball mit einer großen Gelassenheit an die Sache herangegangen.“ Und Robin Dutt? „Er steht am Anfang einer großen Karriere. Er geht die Aufgabe mit, ich will nicht sagen Verbissenheit, das klingt zu negativ, aber großer Leidenschaft an. Jedenfalls anders als Heynckes.“

Robin Dutt saß zwei Meter daneben – und er hörte bei den Ausführungen seines Kapitäns offensichtlich gut zu. „Meine Mannschaft hat eine gute Mentalität“, lobte er am Mittwoch jedenfalls, „weil sie Dinge nicht meuternd ausführen, sondern sachlich angehen will.“

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