Sport : Kopflos erfolgreich

Friedhard Teuffel

erklärt, wann Denken im Fußball schadet Das Gehalt von Fußballprofis ist im Grunde auch eine Entschädigung. Fußballprofis werden schließlich diskriminiert. Es heißt, sie seien nicht besonders helle, mit unfreiwillig komischen Fußballersprüchen sind schon ganze Bücher gefüllt worden. Und jetzt auch noch dies: Der Mainzer Sportwissenschaftler Oliver Höner ist zu dem Ergebnis gekommen: „Gute Entscheidungen im Fußball haben nichts mit Intelligenz zu tun.“

Dumm kickt gut – ist es das, was er anhand von zahlreichen Videoanalysen und praktischen Tests herausgefunden hat? Unbekümmertheit erhöhe die Treffsicherheit, sagt Höner und nennt als Beispiel Nationalstürmer Lukas Podolski: „Der redet direkt und philosophiert nicht herum.“ Wollte er wirklich das sagen, oder nicht vielmehr: Podolski ist einfach zu blöd zum Vorbeischießen? In der Tat fallen einem spontan erfolgreiche Stürmer ein, die den Weg in die Fußballannalen gefunden haben, aber nicht in die Geistesgeschichte, Gerd Müller etwa oder Fritz Walter von Waldhof Mannheim. Doch einer der besten Stürmer Europas ist zugleich ein besonders kluger Mensch, Thierry Henry vom FC Arsenal. Oliver Bierhoff gilt ebenfalls als intelligent. Wie passt das nun zusammen?

Ein Stürmer darf entweder dumm sein oder er muss so schlau sein, seinen Verstand rechtzeitig auszuschalten und der Intuition die Entscheidung rechts oben oder links unten zu überlassen. Dazu muss der Stürmer stärker sein als seine Selbstzweifel. Bedenkenträger schießen weniger Tore, sagt Höner. Die ideale Mischung aus Intelligenz und Entschlusskraft verkörpert für den Wissenschaftler übrigens Michael Ballack. Der könne die Übersicht behalten und Tore schießen. Man darf Ballack also den Kopf der deutschen Nationalmannschaft nennen. Und wenn er trifft, auch den Kopflosen.

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