Sport : Kopflos in Cottbus

Der FC Energie plant ein neues Team – für die Zweite Liga

Karsten Doneck

Cottbus. Ronny Gersch holte alles aus seiner Stimme heraus. „Macht euch bereit für den Stolz der Lausitz“, schrie der Stadionsprecher des FC Energie Cottbus zur Begrüßung der eigenen Mannschaft ins Mikrofon. Rund zehn Minuten vor Spielbeginn wollte Gersch die Zuschauer im Cottbuser Stadion der Freundschaft auf Unterstützungskurs für die eigene Mannschaft bringen. Jedoch: Mit dem Stolz auf den FC Energie ist es beim Cottbuser Fußballpublikum nicht mehr weit her. Spätestens nach dem 0:1 am Sonnabend gegen einen schwachen FC Schalke 04 und der fünften Heimniederlage in Folge (Torverhältnis 1:10), ahnt so ziemlich jeder, dass für die Cottbuser das dritte Bundesligajahr das schwerste wird – und aller Wahrscheinlichkeit nach auch das vorerst letzte.

Cottbus, die Kleinkunstbühne des deutschen Fußballs, begibt sich auf Bundesliga-Abschiedstournee. Die Verantwortlichen des FC Energie haben die Abwärts-Entwicklung keineswegs untätig verfolgt. Sie haben zwar Trainer Eduard Geyer im Amt gelassen, aber das ist verständlich, denn Geyer gehört nun mal zu Cottbus wie die Gurke zum Spreewald. Er ist eine Institution, und kein anderer, halbwegs erschwinglicher Trainer könnte garantieren, dass es unter ihm fortan besser laufen würde. Also nahm der FC Energie Korrekturen am Mannschaftsgefüge vor. Die Devise: alt raus, jung rein. Vasile Miriuta, 34 Jahre alt, und Bruno Akrapovic, 35, wurden zuletzt aussortiert, nicht als „Sündenböcke“, wie Geyer ausdrücklich betont, aber doch, um Zeichen zu setzen.

Es hilft nur nichts. Jüngere Spieler wie Schröter, Rost, Löw und Jungnickel scheinen den nervlichen Anforderungen im Abstiegskampf noch nicht gewachsen zu sein, große Akzente setzen sie schon gar nicht. „Es ist natürlich schwer, in einer laufenden Saison ein neues Team zu formen“, ließ Geyer im Programmheft zum Spiel gegen Schalke wissen.

Nach elf Spielen hat Energie erst fünf Punkte auf der Habenseite, in den beiden ersten Bundesligajahren waren es zum gleichen Zeitpunkt bereits jeweils elf Punkte. Gerade fünf Treffer haben die Stürmer bisher erzielt. Selbst der ehemalige Nationalspieler Paulo Rink, dessen Vertrag den FC Energie finanziell bis an die Schmerzgrenze trieb, ist in der schwunglosen Offensivabteilung mehr Mitläufer als Verstärkung. Es liegt indes nicht an Rink allein, es hakt in allen Mannschaftsteilen. Gegen Schalke beklagte Eduard Geyer, „sehr fahrlässiges Passspiel“, dadurch habe man es „dem Gegner zu leicht gemacht, in Ballbesitz zu kommen“. Die Maßnahmen, die Cottbus jetzt ergreift, lassen den Schluss zu, dass der Verein früh anfängt, sich auf die Zweite Liga einzustellen. „Wir planen zweigleisig“, sagt Manager Klaus Stabach. „Wenn du selbst die Heimspiele nicht mehr gewinnst, dann wird es ganz, ganz eng“, sagt Eduard Geyer. Der sofortige Wiederaufstieg wäre im Fall des Falles das Ziel. Das ließ Klaus Stabach schon verlauten.

„Noch zu grün“ sei die Mannschaft, beklagte Stabach. Die jungen Spieler bekommen jetzt Zeit zum Reifen. In der Bundesliga. Um dann mit voller Kraft in der Zweiten Liga den Wiederaufstieg in Angriff zu nehmen?

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