Kopfstoßattacke : MSV-Trainer Meier erhält Berufsverbot

Das DFB-Sportgericht hat einer Sperre des Duisburger Trainers Norbert Meier zugestimmt. Der Coach darf damit auf unbestimmte Zeit weder auf der Bank sitzen, noch den MSV trainieren.

Duisburg - Nach einer Kopfstoßattacke gegen den Kölner Spieler Albert Streit ist Fußballtrainer Norbert Meier vom MSV Duisburg vorerst aus dem Verkehr gezogen worden. Er muss mit einem längeren Berufsverbot rechnen. Seine Tätlichkeit sorgte für ein Novum in der Bundesliga und hat dem deutschen Fußball nach den hässlichen Szenen vom Wochenende in Hamburg ein weiteres dunkles Kapitel zugefügt. «Ein Trainer, der sich so verhält, kann nicht drei Tage später auf der Bank sitzen», sagte Horst Hilpert am Mittwoch der dpa.

Dem Antrag des Kontrollausschusses auf eine Einstweilige Verfügung auf Sperre und Unterlassung jeglicher Trainertätigkeit hat das DFB- Sportgericht noch am (heutigen) Mittwoch zugestimmt. Demnach darf Meier von sofort an den MSV Duisburg nicht mehr trainieren und betreuen. Die Trainingsleitung am Donnerstag übernimmt Co-Trainer Heiko Scholz, der auch am Samstag im Bundesligaspiel gegen Arminia Bielefeld verantwortlich auf der Bank sitzen wird. Das genaue Strafmaß wird voraussichtlich in der kommenden Woche festgelegt, bis zum (morgigen) Donnerstag soll der MSV-Coach eine schriftliche Stellungnahme abgeben. Der Club hat den Trainer bereits abgemahnt und mit einer hohen Geldstrafe belegt. Meier warb am Mittwoch um Verständnis: «Ich hatte einen Blackout und entschuldige mich in aller Form.»

Dies wird den 47 Jahre alten Trainer nicht vor einer harten Strafe schützen. «Es gibt in diesem Fall wenig Strafmilderndes. Auch wenn Norbert Meier ein sympathischer Mensch ist», sagte Hilpert, der in seiner Amtszeit nur einen ähnlichen Fall in der 2. Fußball-Bundesliga erlebt hat. Im Mai 2000 wurde Eugen Hach (Alemannia Aachen) mit einem dreimonatigen Berufsverbot belegt und musste eine Geldstrafe in Höhe von 15.000 Mark zahlen, nachdem er den Spieler Franklin Bitencourt (Energie Cottbus) gewürgt hatte. Der Coach durfte in dieser Zeit seine Mannschaft nicht trainieren und auch nicht betreuen. Es war die bis dahin höchste Strafe, die je gegen einen Trainer im Profi-Fußball verhängt worden ist. Hilpert betonte, dass der Fall Meier eine ähnliche Größenordnung habe.

Der MSV-Coach hatte die Tätlichkeit am Abend des Spiels noch abgestritten und beschwerte sich darüber, dass der Kölner Streit plötzlich vor ihm stand und ihn beleidigt habe. «Mit Worten, die ich nicht wieder geben möchte», meinte Meier. Als sich die beiden Akteure in der 82. Minute ganz nah gegenüberstanden fiel Meier plötzlich theatralisch zu Boden. In den daraus folgenden Tumulten gerieten Spieler und Betreuer beider Teams aneinander, Kölns Manager Rettig stürmte gar von der Haupttribüne der MSV-Arena auf das Spielfeld und löste damit weitere Tumulte aus. Der Berliner Schiedsrichter Manuel Gräfe schickte daraufhin Meier auf die Tribüne und zeigte Streit die Rote Karte. Erst nach dem Studium der Fernsehbilder gab Meier am nächsten Morgen den Vorfall zu und entschuldigte sich auch bei Albert Streit.

Das drohende Berufsverbot für den MSV-Trainer, der mit seiner Mannschaft im Abstiegskampf steckt, zieht vorerst keine weiteren Konsequenzen seines Arbeitgebers nach sich. «Das darf man nicht entschuldigen, das war eine Unsportlichkeit. Aber Meier ist seit 25 Jahren ein untadeliger Sportsmann. Eine Trainerentlassung gibt es nicht», betonte Duisburgs Clubchef Walter Hellmich.

Kölns Trainer Uwe Rapolder zeigte nach der hektischen und vom Abstiegskampf geprägten Partie, in der die Kölner den Führungstreffer von Abdelaziz Ahanfouf (5.) durch Lukas Podolski (30. Minute) ausglichen und weitere gute Chancen zum Sieg vergaben, teilweise Verständnis für seinen Kollegen. «Man kann in einer solchen Situation vielleicht mal die Nerven verlieren, aber wenn sich der Täter selbst zum Opfer macht, ist das nicht in Ordnung», befand Rapolder, der mit seinem Team zwar die Abstiegsplätze verlassen konnte, aber nun schon seit zehn Spielen auf einen Sieg wartet. «Das ist eine schwere Hypothek», meinte der FC-Coach der neben dem ohnehin gesperrten Özalan Alpay nun im nächsten Spiel auch auf Streit und Podolski (Gelbsperre) verzichten muss.

Nach den hässlichen Szenen vom Wochenende in Hamburg, wo ein Kölner Zuschauer mit einer Wurfattacke den HSV-Spieler Alexander Laas verletzte und FC-Profi Alpay mit einem Ellbogencheck gegen Guy Demel auffiel, war auch diesmal wieder der Kölner Club beteiligt. «Das ist mit den Vorfällen in Hamburg überhaupt nicht zu vergleichen», meinte Rettig, der nach seinem Sturm aufs Spielfeld selbst für Unruhe sorgte und mit Duisburgs Torhüter Georg Koch aneinander geriet. «Ich wollte, dass sich der vierte Offizielle die Szene am Monitor anschaut. Es ist für uns nicht hinnehmbar, dass Streit deshalb gesperrt wird», sagte der FC-Manager. (tso/dpa)

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