• Korruptionsaffäre in der Fifa: Schadet Sepp Blatter der Berliner Olympiabewerbung?

Korruptionsaffäre in der Fifa : Schadet Sepp Blatter der Berliner Olympiabewerbung?

Die deutsche Politik sieht aufgrund der Fifa-Affäre die Bewerbung um Olympia belastet. Parteiübergreifend fordern Bundestagsabgeordnete Aufklärung und setzen den DFB unter Druck.

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Präsidial, aber auch präsidiabel? Der umstrittene Fifa-Chef Joseph Blatter (r.) mit DFB-Chef Wolfgang Niersbach.
Präsidial, aber auch präsidiabel? Der umstrittene Fifa-Chef Joseph Blatter (r.) mit DFB-Chef Wolfgang Niersbach.Foto: dpa

Die nächsten beiden Fußball-Weltmeisterschaften kommen für Deutschland bedrohlich nahe. Die Vergabe um die Turniere 2018 in Russland und 2022 in Katar, vor allem ihre lückenhafte Aufarbeitung, könnten schließlich auch eine deutsche Olympiabewerbung in der Bevölkerung schwächen. Diese Sorge äußern mehrere einflussreiche Abgeordnete des Deutschen Bundestags.

In Briefen an den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Wolfgang Niersbach und das Fifa-Exekutivmitglied Theo Zwanziger haben für die Grünen die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt und der sportpolitische Sprecher Özcan Mutlu ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht. Die Schreiben liegen dem Tagesspiegel vor. „Der Eindruck fehlender Selbstkontrolle internationaler Sportverbände wirft einen langen Schatten auf die Diskussion um eine Bewerbung Deutschlands für Olympische Spiele“, schreiben sie, „denn der Vorwurf der Korruption in den Weltsportverbänden ist eines der stärksten Argumente gegen internationale Sportgroßveranstaltungen.“

Hintergrund ist der nur in Bruchstücken veröffentlichte Untersuchungsbericht der Fifa, der keine Korruption bei der Vergabe an Russland und Katar festgestellt hatte. Das sei nicht nur ein Problem für den Weltfußballverband Fifa, schreiben Göring-Eckardt und Mutlu. „Auch droht die Uefa von diesen Vorwürfen betroffen zu werden, denn etliche Funktionäre stehen im Verdacht, direkt oder indirekt von den Vergabeentscheidungen an Katar und Russland profitiert zu haben.“ Die beiden Abgeordneten bitten daher Niersbach und Zwanziger, sich für eine vollständige Veröffentlichung des Berichts einzusetzen.

Frank Steffel, der Obmann der Unionsfraktion im Sportausschuss des Bundestags, sieht ebenfalls einen zunehmenden Schaden. „Ich kann bei der Fifa keinen Aufklärungswillen erkennen. Ich bin fassungslos, was die Fifa nicht nur dem Fußball, sondern dem Sport insgesamt hier antut“, sagte er. „Das bestätigt die ohnehin vorhandenen Vorurteile gegen internationale Sportorganisationen.“ Einen Ausweg sieht der Berliner Bundestagsabgeordnete in einem Amtsverzicht von Fifa-Präsident Joseph Blatter und einem starken Engagement des DFB. „Man kann jetzt nur an Blatter appellieren, nicht noch einmal als Präsident anzutreten.“ Für den DFB wäre es in der Diskussion um die WM-Vergabe „auf jeden Fall ein guter Zeitpunkt, um sich dabei an die Spitze der Bewegung zu setzen und die Kritik noch einmal pointiert zu äußern“.

Auch im Bundestag wird die Fifa noch einmal Thema werden, gerade weil es um eine deutsche Olympiabewerbung geht. „Diese Vorgänge berühren auch die grundsätzliche Frage der Glaubwürdigkeit und Integrität des Sports, die durch Intransparenz und fragwürdige Entscheidungen ebenso leidet wie durch Wettbetrug, Matchfixing oder Betrug durch Doping“, sagte die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD). „Damit wird sich auch der Sportausschuss im nächsten Jahr noch einmal befassen.“

Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) sorgt sich offenbar um den Ruf des internationalen Sports und will Verbänden wie der Fifa nicht alles durchgehen lassen. Wenn es Verstöße gegen das Prinzip des Good Governance gibt, will das IOC in Zukunft selbst Untersuchungen durchführen. „Die Empfehlung besagt, dass die Basic Principles für alle gelten und von allen angewandt werden“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Zunächst stellten die Verbände eine eigene Untersuchung an. „Und wenn die nicht befriedigend ist, könnte das IOC eine Evaluierung vornehmen. Danach sind weitere Gespräche und Maßnahmen möglich“, sagte Bach.

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