Korruptionsexpertin Schenk : "Aussitzen führt zur Explosion"

Sylvia Schenk ist Vorstandsmitglied des Vereins Transparency International, der sich gegen Korruption einsetzt. Die frühere Leichtathletin arbeitet als Rechtsanwältin in Frankfurt am Main. Im Interview spricht sie über die Fifa.

Sylvia Schenk.
Sylvia Schenk.Foto: picture alliance / dpa

Frau Schenk, gleich mehrere Mitglieder aus dem Führungszirkel der Fifa beschuldigen sich gegenseitig der Korruption. Ist dieser Verband noch zu retten?

Das hoffe ich doch. Ich bin aber auch gespannt, wie die Fifa die nächsten Tage übersteht und wer noch mit welchen Enthüllungen um die Ecke kommt. Es zeigt sich jetzt auf jeden Fall, dass das lange Aussitzen von ganz vielen Problemen zu einer Explosion führt.

Wie konnte die Fifa in diese Krise rutschen?

Ein Netzwerk aus Begünstigung und Absprachen funktioniert, wenn alle die Klappe halten. Aber wenn jemand nichts mehr zu verlieren hat und anfängt auszupacken, dann kann sich die Öffentlichkeit über viele brisante Enthüllungen freuen.

Was muss sich ändern?

Es muss sich sowohl etwas an der Struktur, als auch an der personellen Zusammensetzung einzelner Gremien tun. Auch die Ethik-Kommission muss jetzt die Dinge, die sie bisher angeschoben hat, konsequent weiterführen.

Am Mittwoch wählt die Fifa einen neuen Präsidenten, Amtsinhaber Joseph Blatter musste sich am Sonntag noch selbst der Ethik-Kommission stellen. Sollte man da die Wahl nicht besser verschieben?

An den Kosten dürfte eine zweite Wahl nicht scheitern. Also könnte man die Abstimmung durchaus aufschieben, um ein Vierteljahr oder auch ein halbes Jahr.

Was nützen denn Reformen in der Fifa, wenn der Mann an der Spitze immer derselbe bleibt?

Das ist die Frage. Selbst wenn Joseph Blatter bisher nichts nachgewiesen werden konnte, ist ihm dennoch anzulasten, dass immer wieder Korruptionsvorwürfe aufgetaucht sind. Jetzt ist sein Gegenkandidat weg. Im Dezember dachte ich noch, Blatter kriegt die Kurve. Aber offenbar hat er sich zu sehr auf seinen Wahlkampf konzentriert. Dennoch wäre Blatter vielleicht noch am ehesten in der Lage, die Fifa zu führen.

Wie meinen Sie das?

In einer solchen Situation braucht man jemanden, der die ganzen Machtstrukturen innerhalb des Verbandes bestens kennt. Jemand, den man nicht austricksen kann. Meinen Sie etwa, wenn Theo Zwanziger an der Spitze stünde, könnte er alles verändern?

Die Fragen stellte Friedhard Teuffel.

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