Sport : Kostas Konstantinidis: Wenig Freude am Geburtstag

Klaus Rocca

In der letzten Saison hatte Hertha 15 Langzeit-Verletzte, jetzt sieht es schon wieder bitter aus. Auszug aus dem ärztlichen Bulletin: Konstantinidis Innenbandriss, Tretschok Risswunde unter dem Auge (kein Jochbeinbruch), van Burik Sprunggelenksprellung, Dardai Sehnenscheidenentzündung, Wosz Oberschenkelprellung, Daei Rückenprobleme, Rehmer Virusinfektion, Sverrisson Fußprellung, Schmidt Oberschenkelzerrung. Die Konsequenz: Hertha will das für Mittwoch vorgesehene Freundschaftsspiel beim FC St. Pauli absagen.

Herthas Pressesprecher Hans-Georg Felder verkündete es bereits gestern: "Kostas Konstantinidis hat einen Innenbandriss im Knie erlitten und muss vier bis sechs Wochen pausieren." Da wusste Felder mehr als der Grieche. Der klammerte sich noch immer an die vage Hoffnung, dass die heutige Kernspintomografie die erste Diagnose nicht bestätigt. Eine Hoffnung, die gar keine mehr ist. Für Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher ist der von Felder in seinem Namen bekannt gegebene Befund klar. Die Kernspintomografie soll nur noch das Ausmaß der schweren Verletzung deutlich machen. Bitter für Konstantinidis. Da wird beim 28. Geburtstag am Donnerstag wohl wenig Freude aufkommen.

Dabei hatte der Grieche am Sonnabend in der 92. Minute des Pokalspiels gegen den SSV Reutlingen im Stadion an der Kreuzeiche noch so gejubelt. Da verwandelte er nämlich den Freistoß, getreten von Sebastian Deisler, mit dem Kopf zum entscheidenden 3:2-Siegestreffer. Es war erst das zweite Tor von Konstantinidis in einem Pflichtspiel für den Berliner Fußball-Bundesligisten. Das erste erzielte er am 14. Dezember vorigen Jahres beim Duell mit München 1860. Ebenfalls per Kopf.

In Reutlingen währte die Freude bei Herthas Defensivspieler nur sechs Minuten. Da vertändelte Dick van Burik den Ball, und Konstantinidis musste in höchster Not zu Hilfe eilen. "Ich grätschte, erwischte auch den Ball, blieb aber mit dem Fuß hängen. Da war mir gleich klar, dass etwas Schlimmes passiert sein musste", schilderte der Unglücksrabe. Schleicher verpasste ihm sofort einen Verband, ans Weitermachen war nicht mehr zu denken. Die restliche Spielzeit musste Hertha in Unterzahl auskommen. Die Freude von Konstantinidis über den vermiedenen Pokal-K.-o. hielt sich verständlicherweise in Grenzen.

Für Konstantinidis ist die lange Zwangspause ein harter Rückschlag. Einen Stammplatz hatte er, am 1. Juli vorigen Jahres gekommen, ohnehin nicht. Nur 21 Bundesligaspiele hat er bestritten. Mit seiner rustikalen Spielweise hat er sich nicht immer Freunde geschaffen. Besonders sein Revanchefoul an Ümit beim Champions-League-Spiel in Istanbul, das mit der Roten Karte geahndet wurde und Galatasaray Istanbul noch den Ausgleich ermöglichte, verursachte Ärger. Fünf Gelbe und eine Gelb-Rote Karte in der Bundesliga passen ins Bild.

Besonders getroffen hätte ihn, wenn mit der Verletzung nun auch sein nächster Nationalmannschafts-Einsatz geplatzt wäre. Doch Konstantinidis stand ohnehin nicht im Kader für das WM-Qualifikationsspiel der Griechen am Sonnabend in Hamburg gegen Deutschland. "Ich war zu oft verletzt, deshalb wurde ich zuletzt nicht mehr nominiert", sagt er. Dass er bei Hertha oft auf der Reservebank saß, hat seine Chancen auch nicht gerade erhöht.

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