Sport : Kräftig am Ende

Gaudio gewinnt dramatisches Finale der French Open

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Paris – Für einen Moment blieb Gaston Gaudio regungslos an der Grundlinie des Spielfeldes stehen. Der Argentinier schien noch nicht so ganz kapiert zu haben, was passiert war. Dann allerdings warf Gaudio seinen Schläger in bedrohlich hohem Bogen durch die Luft. Fast wäre das Arbeitsgerät auf den Tribünen des Centre Courts von Roland Garros gelandet. Gaudio freute sich überschwänglich, aus verständlichem Grund: Nach über dreieinhalb Stunden hatte Gaudio ein dramatisches Tennisspiel zu seinen Gunsten entschieden. Im Finale der French Open bezwang er seinen Landsmann Guillermo Coria mit 0:6, 3:6, 6:4, 6:1 und 8:6.

Gaudio konnte als erster ungesetzter Spieler seit dem Brasilianer Gustavo Kuerten 1997 die French Open gewinnen. Doch das erste argentinische GrandSlam-Endspiel endete nach drei Stunden und 31 Minuten wohl anders, als beide Spieler das vorher erwartet hatten. Favorit Coria hatte die ersten beiden Sätze souverän gewonnen. Nachdem Gaudio den dritten Durchgang für sich entschieden hatte, nahm sich Coria eine Pause für den Gang zur Toilette. Beim Stand von 1:1 im vierten Satz ließ er dann urplötzlich den Physiotherapeuten rufen und sich die linke Wade massieren. Danach konnte er kaum noch aufschlagen. Doch Coria machte trotz seiner Probleme weiter.

Wie tags zuvor bei den Russinnen Anastasia Myskina und Jelena Dementjewa bot sich den 15 000 Zuschauern auf dem Centre Court auch am Sonntag zunächst ein sehr einseitiges Finale. Gaudio war so nervös, dass ihm nach zwei gespielten Punkten auf dem Weg zum Aufschlag der Schläger aus der Hand fiel. Der Argentinier verlor den ersten Satz mit 0:6 und acht Spiele in Serie. Das erste Break gelang ihm zum 3:5 im zweiten Durchgang.

Und Gaudio wurde immer besser. Er machte längst nicht mehr so viele Fehler wie zu Beginn des Spiels und zwang Coria zu einigen spektakulären Ballwechseln ans Netz. Einmal legte er sogar seinen Schläger beiseite, um den Fans zu applaudieren. Mit den Jubelstürmen war es vorbei, als sich herausstellte, dass Coria offenbar nur noch unter Schmerzen weiterspielen konnte. Auf dem Centre Court kehrte aber nur vorübergehend Ruhe ein: Denn im fünften Satz wurde es wieder lauter. Coria kam trotz seiner Verletzung und seines zum Teil drucklos wirkenden Aufschlags wieder besser in ein Spiel, in dem beide Spieler mit ihren Kräften im fünften Satz längst am Ende waren.

Beim Stande von 6:5 im letzten Satz hatte Coria sogar zwei Matchbälle. Er vergab sie allerdings beide recht kläglich – was seinen Gegner offensichtlich beflügelte, denn wenige Minuten später war das Spiel zugunsten von Gaston Gaudio entschieden.

Guillermo Coria war als Favorit auf den Platz gekommen und ging als trauriger Verlierer. Zwei Sätze lang hatte der 22-Jährige im ersten Grand-Slam-Finale seiner Karriere klar dominiert – bis zu seiner Verletzung und bis zu dem Zeitpunkt, als sein 25-jähriger Gegner Gaston Gaudio seine Nervosität in den Griff bekommen hatte.Tsp

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