Sport : Kraft demontiert Moderne

Spanien schlägt Favorit Dänemark im Finale 35:19 und wird zum zweiten Mal Handball-Weltmeister.

Erik Eggers
Foto: dpa

Es sollte ein Triumph werden und die Spielkunst des dänischen Handballs krönen. Es wurde ein Untergang mit handballhistorischer Dimension. Schon nach 40 Minuten war im Palau Sant Jordi klar, dass Dänemark nicht Weltmeister werden würde, sondern Gastgeber Spanien zum zweiten Mal nach 2005. Gefeiert von 16 500 Fans in Barcelona, erlebte das Team von Valero Rivera eine sportliche Sternstunde und demontierte den dänischen Europameister im Endspiel der 23. WM mit 35:19 (18:10)-Toren. Es war der höchste Finalsieg in der 75-jährigen WM-Geschichte. Basis war, wie schon beim 28:24-Viertelfinalsieg gegen Deutschland, eine extrem aggressiv interpretierte 6:0-Deckung der Spanier: An dieser Mauer zerschellte der gerühmte dänische Positionsangriff.

Eigentlich wäre ein Triumph des dänischen Teams logisch gewesen. Bewundert wurde nicht Spanien, das im Rückraum limitiert zu sein schien, das auf Krafthandball reduziert wurde. Seit Jahren verkörpert vielmehr die Mannschaft von Trainer Ulrik Wilbek modernen Handball. Auch bei dieser WM war ihr Spiel aufgebaut auf einer stets seriös arbeitenden Abwehrformation und Torwart Niklas Landin (Rhein Neckar-Löwen). Keine andere Mannschaft der Welt ist in der Lage, den Ball so technisch präzise nach vorn zu tragen. Als Ballverteiler fungiert Mikkel Hansen, der Superstar von Paris St. Germain. Verwerter sind die Flügel, speziell Anders Eggert, der trickreiche Linksaußen von der SG Flensburg-Handewitt. Mit insgesamt 55 Treffern, davon drei im Endspiel, sicherte sich der 30-Jährige die WM-Torjägerkrone.

Vor einem Jahr, als sie im Belgrader EM-Finale Serbien souverän distanzierten, hatten sich die Dänen noch gegen ein fanatisches Publikum durchsetzen können. Doch im Palau Sant Jordi kollabierten sie gegen einen Gastgeber, der im Finale seine beste Turnierleistung zeigte und plötzlich auch im Rückraum brillierte. Die Skandinavier wirkten sichtlich nervös und hektisch, vor allem Spielmacher Rasmus Lauge Schmidt. Allein in der Anfangsviertelstunde hielt der Europameister gegen die spanischen Defensivspezialisten einigermaßen mit. Mit ihrer Aufstellung im Rückraum, wo Antonio Garcia und Joan Canellas erstmals in der Startsieben auftauchten, überraschten die Spanier den Favoriten und lagen durch Schlagwürfe sofort 3:0 in Front. Die schnelle Auszeit, die Dänemarks Coach Ulrik Wilbek nun nahm, schien die Mängel zu reparieren. Nun kamen die Skandinavier insbesondere durch Kasper Söndergaard wieder in Schlagdistanz, Eggert verkürzte aus spitzem Winkel zum 7:8 (17. Minute).

Doch danach brach der dänische Rückraum unter dem Druck der 6:0-Abwehr, welche die Spanier extrem offensiv interpretierten, förmlich zusammen. Weder die Schnellangriffe noch das Kreisläuferspiel, die dänischen Spezialitäten, kamen zum Tragen.

Stattdessen zogen die Spanier nun durch Tempogegenstöße auf und davon. Nachdem Alberto Entrerrios und Jorge Maqueda in nur 40 Sekunden zwei Schnellangriffe zum 13:8 verwertet hatten, nahm Wilbek schon die zweite Auszeit. Doch die Dänen erholten sich nicht mehr. Als Kreisläufer Julen Aguinagalde seinen ersten Treffer zum 18:10-Pausenstand verzeichnete, war die Partie beinahe schon entschieden. Die Gastgeber steigerten sich nun in einen Rausch. Nach einem 8:1-Lauf bis zur 39. Spielminute zum 26:11 war das Endspiel nur noch Schaulaufen für die Spanier. „Ein Traum geht in Erfüllung“, sagte Joan Canellas, der mit sieben Treffern bester Torschütze des Endspiels war, hinterher.

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