Sport : Kraft und Ruhe

Der Fall Varis ist ein Beleg dafür, dass Doping im Biathlon ähnlich wirkungsvoll ist wie im Langlauf

Frank Bachner

Berlin - 2003 gewann Kaisa Varis bei der Ski-WM Silber mit der finnischen Langlauf-Staffel. Kurz darauf flog sie als Dopingsünderin auf und hatte zwei Jahre Zwangspause. Am 11. Januar 2008 gewann die 32-Jährige, jetzt als Biathletin, beim Weltcup in Ruhpolding über 7,5 Kilometer. Danach sagte sie flehentlich: „Ich kann nichts verleugnen, aber ich will nur über 2008 reden.“ Das kann sie haben. Kaisa Varis steht erneut unter Dopingverdacht. Die Fahnder kamen beim Biathlon-Weltcup in Oberhof zu ihr, das Testergebnis: A-Probe positiv. Das Resultat der B-Probe wird am Donnerstag bekannt. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Probe ebenfalls positiv. Und das bedeutet eine lebenslange Sperre.

Der Fall Varis ist mehr als ein Einzelfall. Er könnte als Beleg dafür dienen, dass Biathlon ebenso anfällig für Doping ist wie der klassische Ski-Langlauf. Es gab da bei einigen Beobachtern Zweifel, weil Biathleten nicht bloß Ausdauer benötigen, sondern auch eine ruhige Hand, weil sie schießen müssen. Und für den Wechsel von aerober und anaerober Belastung bringe Doping nichts.

Selbstverständlich bringt das etwas, sagt der Dopinganalytiker Mario Thevis vom Dopinglabor Köln. Er redet jetzt nicht über Varis speziell, er redet allgemein. „Man benötigt beim Biathlon vor allem Ausdauer. Der Puls muss beim Schießen relativ schnell abgesenkt werden. Das gelingt umso besser, je mehr Ausdauerfähigkeit ein Athlet besitzt.“ Deshalb könne Doping ja auch in Sportarten wie Fußball Wirkung zeigen. „Wenn Sportler eine besonders gute Ausdauer haben, ist die Koordinationsfähigkeit auch in den letzten und möglicherweise entscheidenden Minuten eines Spiels noch hoch.“

Die optimale Wirkung zeigt Doping beim Biathlon, wenn ein Läufer ohne überhohen Puls an den Schießstand kommt, so dass die Frequenz schnell gesenkt werden kann. Aber selbst mit überhohem Puls, hat er einen Vorteil gegenüber sauberen Gegnern. „Er braucht wahrscheinlich mehr Zeit, bis er ruhig anlegen kann“, sagt Thevis, „aber er konnte zuvor und kann danach auch schneller laufen.“ Der Einsatz von Betablockern dagegen sei wirkungslos. Damit wird zwar der Körper künstlich ruhig gestellt und Schießen wäre schneller möglich, aber „damit ist die ganze Leistungsfähigkeit erheblich reduziert“.

Beim Biathlon dürften also die gleichen Mittel im Einsatz sein wie beim Langlauf, Epo oder Eigenblutdoping. Manipulation mit eigenem Blut ist aber noch nicht nachweisbar, auch für andere Mittel fehlt der Nachweis. „Aber wir sind bei den Nachweismethoden erheblich weiter als vor zehn Jahren“, sagt Thevis. Um noch näher dran zu sein, gehen die Dopinganalytiker an pharmakologische Wurzeln. Sie sichten Daten von Wirkstoffen, die in der klinischen Erforschung, aber noch nicht auf dem Markt sind. „Wir untersuchen, welche Stoffe missbräuchlich verwendet werden können“, sagt Thevis. „ Und für sie entwickeln wir frühzeitig Nachweismethoden.“ Im Optimalfall kann man dann die Mittel bereits in dem Moment offiziell identifizieren, in dem sie auf den Markt kommen.

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