Sport : Kraftakt einer gar nicht munteren Reisegesellschaft

Alba Berlin liegt im Basketball-Bundesligaspiel bei Aufsteiger Ludwigsburg mit 18 Punkten zurück und siegt noch 89:88

Helen Ruwald

Berlin. In Zagreb war DeJuan Collins nur als Tourist gewesen. Zwei Monate zuvor hatte er sich schwer am Fuß verletzt, und die Trainer hielten den Einsatz in einem Europaligaspiel für zu früh. Statt Collins spielte John Celestand auf der Spielmacherposition, und das so miserabel, dass Zuschauer Collins am Donnerstag beim 72:90-Debakel bei Cibona Zagreb der große Profiteur war.

Gestern Abend beim Bundesligaspiel in Ludwigsburg schickte Trainer Emir Mutapcic den US-Amerikaner nach sieben Minuten aufs Feld. Beim ersten Auftritt nach seiner schweren Verletzung bot der 25-Jährige eine starke Leisung, war mit 25 Punkten Topscorer der Partie und sicherte den Berlinern gemeinsam mit Marko Pesic (22) den 89:88 (43:51)-Sieg. 13 Sekunden vor dem Ende brachte Collins Alba mit zwei Freiwürfen 88:86 in Führung. Ludwigsburgs Jimmal Ball glich mit zwei Freiwürfen aus. Beim anschließenden Einwurf brachte Henrik Rödl den Ball weit nach vorn auf Marko Pesic, der sofort gefoult wurde. Noch drei Sekunden. Pesic wirft – und verfehlt. Beim zweiten Versuch halten die Nerven des Nationalspielers, er bringt den Ball zum 89:88 im Korb unter.

Dabei hatte es nach einem Debakel ausgesehen. Nach früher Führung hatten die Berliner nach dem ersten Viertel mit 19:31 zurückgelegen, im zweiten Spielabschnitt baute der Aufsteiger den Vorsprung auf bis zu 18 Zähler aus. Doch wie schon gegen Würzburg vor zwei Wochen, als Alba nach dem ersten Viertel 22:37 zurückgelegen hatte, gelang es dem Deutschen Meister, das Spiel noch zu drehen.

„Wir haben keine leichten Gegner mehr“, hatte Marko Pesic nach der Niederlage in Zagreb gesagt. Zu viel Schwäche hatte die Mannschaft in dieser Saison gezeigt, zu oft verloren. Auch die Ludwigsburger, die in den vergangenen vier Spielen unter anderem in Frankfurt und Gießen gewonnen hatten, sahen ihre Chance. Doch mit dem Kraftakt in letzter Sekunde wendeten die Berliner ein tieferes Abrutschen in die Krise ab. In der Europaliga sind sie so gut wie ausgeschieden, doch in der Bundesliga haben sie als Tabellenzweiter weiter alle Chancen.

„Die Spieler hatten Zagreb noch in den Beinen“, sagte Manager Carsten Kerner über den katastrophalen Start. Am Freitag war die Mannschaft von Kroatien aus über Frankfurt nach Stuttgart geflogen. Der Reisestress hat freilich noch kein Ende. Heute treffen die Spieler in Berlin ein – um am Dienstag schon wieder ins Flugzeug zu steigen. Die nächste Station heißt Pau-Orthez.

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