Sport : Kraftlos und erfolglos

Alba Berlins arg dezimierter Kader hat bei den Telekom Baskets Bonn keine Chance und verliert 79:99

Christiane Mitatselis

Bonn. Es ist längst ein Gesetz in Bonn: Wenn Alba Berlin bei den Telekom Baskets antritt, ist die Hardtberghalle mit 3500 Zuschauern bis auf den letzten Platz ausverkauft – und die Zuschauer sind besonders motiviert. So war es auch gestern Abend, am zehnten Spieltag der Basketball-Bundesliga. Die Bonner Fans taten das, was ihnen den Ruf als bestes Publikum der Liga einbrachte: Sie brüllten, kreischten, stampften, schrien – und zwar so laut und so ausdauernd, wie sie nur konnten. Denn schließlich spielte der Tabellenführer gegen den Deutschen Meister. Am Ende waren die Zuschauer völlig außer Rand und Band: Die Telekom Baskets schlugen die arg geschwächten Berliner Gäste 99:79 (53:35).

Wenn es nach Alba Berlin gegangen wäre, hätte das Spiel gestern gar nicht stattgefunden. Gleich acht Alba-Profis hatten sich verletzt, darunter die Nationalspieler Marko Pesic, Stefano Garris und Mithat Demirel. Doch die Bonner lehnten eine Spielerverlegung ab. Die Halle sei schließlich ausverkauft, kurzfristiges Umdisponieren nicht möglich, teilte Bonns Pressesprecher Michael Mager mit. Alba musste kurzfristig mit Julius Dücker und Marcel Karge zwei Spieler vom TuS Lichterfelde nachlizenzieren, um überhaupt genug Personal an den Start zu bringen. Flügelspieler Vladimir Petrovic wurde eingesetzt, obwohl er sich eine Kapselverletzung am Finger zugezogen hatte. „Mit Sport hat das nicht mehr viel zu tun. Aber was sollen wir machen?“, sagte Alba-Manager Carsten Kerner.

Nur im ersten Viertel konnte Berlin mit den Bonnern mithalten – nach den ersten zehn Minuten stand es 22:22. Alba profitierte dabei auch von einer schlechten Treffer- und Reboundquote der Telekom Baskets. Doch als die Bonner anschließend zu ihrem Spiel fanden, hatte Alba keine Chance mehr und wurde überrannt. Es lag nicht an mangelndem Einsatz: Jovo Stanojevic kämpfte, Petrovic und Georg Best rannten, Dejuan Collins tat sein Bestes. Auch die anderen Leistungsträger bekamen aufgrund des Personalmangels kaum Verschnaufpausen.

Zur Halbzeit führte Bonn 53:35. Das Spiel war schon zu diesem Zeitpunkt entschieden. Die Frage war nur noch, wie hoch der Bonner Sieg ausfallen würde. Alba Berlin war in seinem geschwächten Zustand einfach kein Gegner für die Telekom Baskets, die sich im Schlussviertel sogar eine ziemlich schwache, unkonzentrierte Phase erlauben konnten. Alba fehlte einfach die Kraft, um daraus Profit zu schlagen. Den Zuschauern war die Ungleichheit des Duells völlig egal. „Ihr wollt Deutscher Meister sein“, höhnten sie im Siegesrausch und feierten am Ende den zehnten Bonner Sieg im 30. Vergleich. Am Ende zählt halt nur das Ergebnis.

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