Sport : Krafts Kapriole kostet

Bayerns Torwart patzt beim 1:1 in Nürnberg und bringt die Champions League in Gefahr

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Nur siegen ist schöner. Münchens Thomas Müller (links) und Nürnbergs Philipp Wollscheid teilten sich die Punkte. Foto: dpa
Nur siegen ist schöner. Münchens Thomas Müller (links) und Nürnbergs Philipp Wollscheid teilten sich die Punkte. Foto: dpaFoto: dpa

Ob sich Thomas Kraft solch eine Kapriole schon einmal bei den Sportfreunden Daaden erlaubt hat? Oder in jungen Jahren beim VfB Wissen? Oder später bei der SG Betzdorf? Jedenfalls hat sich der erst 22 Jahre junge Torwart des FC Bayern München einen kapitalen Fehler erlaubt, der dem Rekordmeister nun tatsächlich die Champions-League-Qualifikation kosten könnte. Für das unbefriedigende 1:1 (0:1) beim 1. FC Nürnberg trägt der Schlussmann die Haftpflicht, Kraft entwickelte sich nach einer Stunde zur tragischen Figur des 182. bayrischen Derbys. Da nämlich missglückte ihm ein Ausflug jenseits des rechten Strafraumecks und ein Befreiungsschlag derart, dass der Ball den Nürnberger Christian Eigler erreichte, der sich mit einem Volltreffer von der Seitenauslinie aus fast 40 Metern bedankte.

Die fränkischen Profis konnten ihr Glück kaum fassen. Alle Kollegen begruben Eigler in einer Ansammlung aus Menschenleibern, während Kraft kopfschüttelnd und einsam in seinen Kasten zurück trottete. Damit steht indirekt auch wieder Trainer Louis van Gaal in der Kritik, der das Torwarttalent erst in der Winterpause gegen einigen Widerstand zur Nummer eins befördert hatte. Und das Verlangen nach Nationaltorwart Manuel Neuer ab nächsten Sommer dürfte nun noch befeuert werden.

Letztlich nützte es den Münchnern wenig, dass sie lange diese Partie kontrollierten, in der Thomas Müller bereits nach fünf Minute mit seinem zehnten Saisontor die Gästeführung besorgte. Unter dem Strich steht nun ein mageres Resultat. Nach dem Spiel sah zudem Arjen Robben die Rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung.

Im seit Wochen ausverkauften Nürnberger Stadion saß auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der zum Club ja eine besondere Beziehung besitzt: Der in Ulm geborene Hoeneß hat als Leihspieler des FC Bayern schließlich vor rund 31 Jahren seine aktive Karriere beim 1. FC Nürnberg wegen einer Knieverletzung beenden müssen, und für die Franken immer eine besondere Fürsorge walten lassen. Beim Bratwurstverkauf in Nürnberg hatte der 59-Jährige auch verraten, dass ihn die Anfeindungen der eigenen Fans aus der Vorwoche „schockiert“ hätten.

Dem FCB-Präsidenten blieben derlei Demütigungen erspart – mal abgesehen davon, dass die Bayern-Fangruppierungen ihre Plakate und Banner wieder auf den Kopf gestellt hatten. Ansonsten fokussierten sich die Anhänger beider Lager an diesem sonnigen Nachmittag tatsächlich auf das Wesentliche – den Fußball.

Und dabei ging es auch gleich flott los: In der fünften Minute nutzte Müller clever ein erstklassiges Zuspiel von Arjen Robben aus, dessen präzise getimter Diagonalpass die Nürnberger Abwehr bloßstellte. Mit diesem Geniestreich ließen es die Gäste aber denn auch für längere Zeit in der Offensive bewenden. Das schien umso gefährlicher, da die Defensive sich einige Wackler erlaubte. So ließ sich der unsichere Nationalverteidiger Holger Badstuber per Beinschuss düpieren, der schon anfangs nie souverän wirkende Kraft schlug ein kurioses Luftloch bei einem Steilpass: Diese Szenen belegten deutlich, warum der Rekordmeister nicht mehr international vertreten ist.

Mit „Leidenschaft, Stolz und Hingabe“ - ganz wie es die „Club“-Fans mit einer riesigen rot-schwarzen Choreografie gefordert hatten – kämpften sich die Hausherren in das Spiel zurück. Und ließen sich dank Kraft auch für das verdiente Unentschieden feiern.

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