Sport : Kratzen, spucken, treten

Enttäuschte Union-Fans streiten mit den Spielern

Stefan Schweiger

Berlin - Es war laut in der „Abseitsfalle“, der Vereinsgaststätte des 1. FC Union. Rund 300 wütende Fans redeten durcheinander, die Emotionen entluden sich immer wieder in Zwischenrufen. Auf Initiative der Spieler des Fußball-Klubs waren die Fans eingeladen, um gemeinsam die prekäre Lage aufzuarbeiten. Die Berliner stehen in der Regionalliga auf dem vorletzten Platz, vergangenes Wochenende hat die Mannschaft gegen den Letzten, die Amateure vom VfL Wolfsburg, 1:2 verloren. Sechs Punkte fehlen zurzeit zum Verlassen der Abstiegsränge.

Fans, eingepackt in Trikots und Union-Schals, standen da mit hochroten Köpfen. Die Spieler saßen am langen Tisch, mit verschränkten Armen. Die Mannschaft brauche einen Führungsspieler, einen, der das Team mitreißen kann, forderte ein Fan. Wer das denn sein könnte? Lachen, nachdem kein Spieler für die Mannschaft sprechen wollte. „Die Verantwortung kann nicht nur auf den Schultern von einem liegen, alle Spieler müssen 100 Prozent geben“, murmelte Kapitän Tom Persisch ins Mikrofon. Wurde eine Frage gestellt, dauerte es, bis ein Spieler oder Trainer Werner Voigt das Mikro übernahm. Sprachlosigkeit, Selbstvertrauen sieht anders aus.

„Selbstvertrauen kann nur durch Erfolg kommen, und daran müssen wir alle arbeiten“, appellierte Voigt an die Spieler – und an die Fans. „Mit euch können wir da unten wieder rauskommen!“ Nach dem Neuanfang im Sommer müsse man Geduld haben mit dem neuen Trainer. „Ich kann die Spieler nicht in kurzer Zeit ändern.“ Zur Zeit laufe einfach alles gegen sie, sind sich die Spieler einig, der Einsatz stimme nicht. „Die Tabelle lügt nicht, es reicht bei uns einfach nicht“, sagte Abwehrspieler Matthias Straub. Über das, was im Falle des Abstiegs bei Union passieren wird, darüber wollte Voigt aber nicht sprechen. Zuversicht heiße die Devise. Zu bemerken war davon in der „Abseitsfalle“ wenig.

Ob den Spielern bewusst sei, dass sich die Fans „für Union den Arsch aufreißen“? Die Mannschaft habe erst durch dieses Treffen gemerkt, wie enttäuscht die Fans seien, antwortete Persisch. „Stinksauer“ seien sie, brüllte einer. Auf jeden Fall würden „alle Spieler jetzt erst recht zehn Prozent mehr rauskitzeln“, meinte Persisch, und „kratzen, spucken und treten“. Was sie am Samstag gegen Uerdingen beweisen können.

„Steht auf, wenn Ihr Unioner seid!“, stimmten die Fans nach 90 Minuten Diskussion laut an. Bis alle Spieler aufgestanden waren, dauerte es ein wenig.

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