Sport : „Kreatin sollte verboten werden“

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Köln. Professor Wilhelm Schänzer hat gestern am Rande eines Symposiums an der Deutschen Sporthochschule Köln gefordert, Kreatin auf die Doping-Liste zu setzen. „Hohe Konzentrationen sollten verboten sein“, sagte der Leiter des vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) akkreditierten Labors in Köln. Kreatin, das in geringen Mengen auch im Essen (Fleisch) vorkommt, dient vielen Leistungssportlern bisher als „legales Doping“, weil es Kraft, Stehvermögen und Ausdauer fördert. Außerdem sichert es eine raschere Erholung des Körpers. Vor allem in der Leichtathletik ist es gefragt, speziell im Sprintbereich wird Kreatin genommen. Auch im Fußball wird damit gearbeitet. Bei Hertha BSC verabreichte Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher den Profis Kreatin.

Schänzer will vor allem die synthetischen Kreatine bekämpfen. Er reichte im vergangenen Jahr bei der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) einen Finanzierungsantrag ein, um eine Methode zur Unterscheidung von natürlichem und synthetischen Kreatin zu entwickeln. „Aber das hat die Wada nach anfänglicher Begeisterung abgelehnt". Schänzer erhielt Unterstützung von seinem britischen Kollegen Ronald Maughan. Da Kreatin im Essen vorkomme, hält Maughan die Unterscheidung zwischen Doping und Nichtdoping für schwierig – „aber nicht unmöglich".

Das mit EU-Mitteln geförderte Symposium in Köln beschäftigte sich indes vorwiegend mit den so genannten Nahrungsergänzungsmitteln, das heißt mit künstlich zugesetzten Spurenelementen, Proteinen und Vitaminen. Deren Gebrauch hatte, in der jüngsten Vergangenheit im Leistungssport zu zahlreichen Dopingfällen geführt. Nicht selten waren die Nahrungsergänzungsmittel mit anabolen Steroiden und anderen Substanzen versetzt. So werden den „nutritional supplements“ in den USA sogar Prohormone beigemischt. Das sind Stoffe, die in Deutschland der Arzneimittelpflicht unterliegen. Eine internationale Harmonisierung sei angesichts der kommerziellen Interessen schwierig. Mit Nahrungsergänzungsmitteln werden in den USA jährlich etwa 9 Milliarden Euro umgesetzt, den deutschen Markt schätzte Schänzer auf eine Milliarde Euro.

Schänzer berichtete außerdem von einem englischen Präparat, das unter dem n „Med-AD-17D“ gehandelt wird. Darin seien hohe Dosen eines anabolen Steroids gefunden worden, das gesundheitsschädigend sei. Die bewusste hohe Beimengung sei „eine neue Qualität". Erik Eggers

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