Krefeld Pinguine : Der Triumph des Konservativen

Mit dem Sieg gegen die Eisbären verschafft sich Krefelds Trainer Butch Goring Respekt

Claus Vetter

Krefeld. In der Krefelder Rheinlandhalle war Feierabendstimmung. Auch in der Gaststätte der betagten Arena passierte kaum noch Weltbewegendes. In der Ecke eines abgetrennten Bereichs verspeiste ein kleiner Herr mittleren Alters genüsslich eine Portion Spaghetti. Dem Mann schmeckte es sichtlich. Kein Wunder, schließlich handelte es sich um Butch Goring, den Trainer der Krefeld Pinguine, die eine Stunde zuvor den Favoriten Eisbären im zweiten Halbfinalspiel der nach dem Modus Best of five gespielten Serie um die deutsche Eishockey-Meisterschaft 4:2 bezwungen hatten.

Es war der unerhoffte Triumph des Außenseiters, den Goring nach Spielschluss laut polternd abgerundet hatte. Der Krefelder Trainer hatte seinen Berliner Kollegen Pierre Pagé keines Blickes gewürdigt, dafür öffentlichkeitswirksam geschimpft. „Was habe ich nicht alles über meine Mannschaft lesen müssen“, sagte Goring. „Von wegen, wir haben uns aufgegeben und so. Das war eine Unverschämtheit.“ Vielleicht war es das sogar: Kaum jemand hatte nach der ersten Partie der Serie, dem klaren 4:1 der Berliner vom Freitag, noch mit den Pinguinen gerechnet.

Gorings spektakulärer Auftritt vom Sonntag passte so gar nicht in eine Trainerlaufbahn, die eher mittelprächtig verlief. Dabei hat der 53-Jährige eine erfolgreiche Vergangenheit hinter sich. Der Kanadier mit der ungeordneten Frisur war einst einer der besten Eishockeystürmer der Welt. Viermal hat Goring in den Achtzigerjahren mit den New York Islanders die Meisterschaft der nordamerikanischen Profiliga NHL gewonnen. Schon als Spieler eilte Goring der Ruf voraus, nicht besonders innovativ zu sein. Noch als Mittdreißiger trug er seinen betagten Helm aus der Jugendzeit. In Krefeld sagen ihm Kritiker nach, Eishockey der Siebzigerjahre zu zelebrieren. Der Kanadier setzt mit Vorliebe nur auf einige Stars, die dann schon mal mehr als 30 Minuten aufs Eis müssen. Das unterscheidet Gorings Philosophie von der seines Kollegen Pagé, der ein Verfechter moderner Spielsysteme ist. Und natürlich war Pagés Ausspruch, „dass aus einem guten Spieler nicht ein guter Trainer werden muss“, keine Basis für ein gutes Verhältnis mit Goring. Die Ansichten der Trainer beider Halbfinalisten liegen weit auseinander. Pagé mag es nicht, wenn sich seine Spieler in den Play-offs mit anderen Dingen als Eishockey beschäftigen müssen. Goring ist da unverkrampfter. Als kürzlich Stürmer Patrik Augusta mitgeteilt wurde, dass er nicht in Krefeld bleiben wird, sorgte sich sein Trainer nicht um dessen Verfassung. „Der Junge hat bis Ende April einen Vertrag bei uns“, sagte er. „Der wird sich in den Play-offs voll reinhängen. Das war bei uns früher auch so.“

Früher, da war Goring in Eishockey-Kreisen geachtet. „In Nordamerika kannte ihn jeder“, sagt Pagé. Heute kennt dort jeder in der Szene den Trainer Pagé aus seiner jahrzehntelangen Tätigkeit in der NHL – der Liga, in der Goring als Coach der Boston Bruins nach nur zwei Jahren gescheitert ist. Nicht zuletzt daher war der Krefelder Sieg vom Sonntag wichtig für Goring, der jetzt von mehr träumt. „Der Druck auf Berlin ist nun groß“, sagt er. „Wir wissen, dass wir sie schlagen und ins Finale kommen können.“ Sollte dies tatsächlich gelingen, hätte der Trainer Butch Goring seinen Durchbruch geschafft.

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