Sport : Kreise drehen

Ingo Steuer bleibt nun doch bis 2006 Eiskunstlauf-Trainer

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Budapest (Tsp). Ingo Steuer bleibt bis zu den Olympischen Spielen 2006 EiskunstlaufTrainer am Stützpunkt Chemnitz und trainiert bis dahin drei hoffnungsvolle Paare. Nicht mehr als eine nebensächliche Personalie, verkündet bei der Eiskunstlauf-Europameisterschaft in Budapest? Falsch, es ist das Ende einer seltsamen Geschichte, in welcher der Name Steuer bei führenden Funktionären der Deutschen Eislauf-Union (DEU) den gleichen Gesichtsausdruck erzeugte, den man auch beim Zerkauen von Zitronenschnitzen erzielt. Denn Steuer war eine Reizfigur für die DEU. Der Paarlauf-Weltmeister von 1997 gab den Funktionären das Gefühl, er spiele mit ihnen.

Der Chemnitzer hatte vor zwei Jahren seine Finger in ziemlich viele Wunden der DEU gelegt. Er kritisierte Verbands- und Nachwuchsarbeit und präsentierte sich als Retter des deutschen Eiskunstlaufs. Die Rolle besetzte er, in Maßen, durchaus. In Chemnitz führte er Rico Rex und Eva-Maria Fitze zusammen, Nicole Nönnig und Matthias Bleyer werden von ihm trainiert, Steuer leistete solide Arbeit. Bis er Ende vergangenen Jahres völlig unvermittelt seinen Rückzug nach der WM 2004 in Dortmund ankündigte. Er wolle nicht mehr ständig zu seiner Freundin und ihrem gemeinsamen Kind nach Berlin pendeln. Die DEU wusste nichts davon, und die Funktionäre waren sauer. Sie hatten Steuer als erstem Trainer überhaupt mit sehr viel Mühe einen Platz in einer Sportkompanie verschafft. Den Vertrag mit der Bundeswehr kündigte Steuer ebenfalls.

Dann schwieg der Trainer plötzlich. Denn seine Freundin hatte sich entschlossen, doch nach Chemnitz zu ziehen. Die DEU aber verhandelte hinter den Kulissen zähneknirschend über Steuers Zukunft. Bis jetzt eine Einigung erzielt wurde. „Wir werden eine klare Vereinbarung treffen. So etwas kann man mit uns nicht noch einmal machen“, sagte DEU-Präsident Reinhard Mirmseker. Er hatte schließlich alle Hände voll zu tun, um die düpierte Bundeswehr zu beruhigen.

„Das ist keine Rolle rückwärts. Im Gegenteil, ich bin in einigen Bereichen weiter vorangekommen“, sagte dagegen Steuer. Der Olympia-Dritte von 1998 will sogar seine Profi-Laufbahn mit Mandy Wötzel nach dieser Saison beenden: „Das ist besser so. Dann kann ich mich voll auf meine Sportler konzentrieren.“

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