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Krieg statt Fußball : Nach Pfefferspray-Attacke: Boca Juniors gegen River Plate abgebrochen

Beim Duell der argentinischen Erzrivalen Boca Juniors gegen River Plate attackieren Fans der Heimmannschaft die Spieler des Gegners mit Pfefferspray und provozieren damit einen Spielabbruch.

Da hilft nur noch Wegducken. Spieler von River Plate versuchen sich in Sicherheit zu bringen. Foto: dpa
Da hilft nur noch Wegducken. Spieler von River Plate versuchen sich in Sicherheit zu bringen.Foto: dpa

Sicherheitsvorkehrungen für ein Fußballspiel sind immer relativ. Das zeigte sich am Donnerstag beim Superclasico in Argentinien zwischen den Boca Juniors und River Plate Buenos Aires. Im Achtelfinale der Copa Libertadores - vergleichbar mit der europäischen Champions League - waren gar keine Gäste-Fans zugelassen, trotzdem musste das Spiel abgebrochen werden, weil Anhänger der Heimmannschaft Gästespieler mit Pfefferspray attackierten. Die Spieler waren nach der Halbzeitpause auf dem Weg zurück auf den Rasen, als sie angegriffen wurden. Mehrere Fußball-Profis wurden verletzt.

Fernsehbilder zeigten, wie Boca-Fans den „Schlauch“ aufrissen, eine Art Plastiktunnel, der die Gäste sicher zum Spielfeld führen sollte. Sie hätten dann vermutlich Pfefferspray hineingelassen, das sich über die Ventilation ausbreitete. Mehrere Spieler erlitten Verbrennungen und Sehstörungen. „Das ist mehr wie ein Krieg als wie ein Fußballspiel“, klagte der Mittelfeldspieler Leonardo Panzio.

Nach dem Vorfall verging eine Stunde, bis die Entscheidung zum Spielabbruch getroffen wurde. Eine weitere Stunde verrann, bis die River-Spieler das Stadion verlassen konnten. Boca-Fans ließen über dem Platz eine Drohne aufsteigen mit einem Transparent, auf dem sie River Plate verspotteten.

Beim Einlass vor dem Spiel gab es keine Leibesvisitationen

Sergio Berni, Argentiniens Staatssekretär für Sicherheit, betonte, die Polizei habe keinen Fehler gemacht. Es sei allein die Schuld von Boca Juniors, da der Verein schlecht vorbereitet gewesen sei. Berni verteidigte zudem die Strategie, dass beim Einlass dieses Hochsicherheitsspiels keine Leibesvisitationen stattfanden. "Vor einem Flug dauern die Security-Checks für 400 Leute 60 Minuten. Hier sind 60.000 Menschen im Stadion. Und eine Leibesvisitation garantiert gar nichts." Die Sicherheitsbehörden wollen nun die Trikots der River-Plate-Spieler einer chemischen Analyse unterziehen, um herauszufinden, mit welchem Gas sie attackiert wurden.

Wie das abgebrochene Spiel gewertet wird, steht noch nicht fest. Laut argentinischen Medien sind zwei Szenarien möglich: Die zweite Halbzeit wird noch einmal ohne Zuschauer gespielt. Sollte der südamerikanische Verband CONMEBOL jedoch in Betracht ziehen, dass die Partie wegen der Boca-Fans abgebrochen werden musste, könnte Hinspielsieger River Plate (1:0) zum Sieger erklärt werden – und wäre damit automatisch für das Viertelfinale qualifiziert. (Tsp/dpa)

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