Krim-Krise erreicht Schalke 04 : Die peinliche Einladung des Herrn Putin

Wladimir Putin hat Schalke 04 nach Russland eingeladen. Doch auf dem Höhepunkt der Krim-Krise ist dem Verein das gar nicht Recht. Man bemüht sich um Ausreden - und akzeptiert doch weiter russisches Geld

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Wladimir Putin hat den verein Schalke 04 nach Russland eingeladen. Die Fans ärgert das.
Wladimir Putin hat den verein Schalke 04 nach Russland eingeladen. Die Fans ärgert das.Foto: dpa

Unlängst ist der FC Schalke 04 von einem russischen Sportsfreund zu einer Gastspielreise eingeladen worden. Der Mann heißt Wladimir Putin und ist bekannt dafür, dass er sportliche Veranstaltungen schon mal zur Selbstdarstellung nutzt. Putin spielt mit seinen Freunden gern Eishockey und lässt sich beim Schwimmen mit freiem und muskulösem Oberkörper fotografieren. Die Olympischen Winterspiele in Sotschi konnten gar nicht groß genug sein, um von der Größe Russlands zu künden, und bei den am Freitag ebenda eröffneten Paralympics gibt der Staatspräsident den warmherzigen Gastgeber für die körperlich benachteiligte Jugend der Welt.

Wen interessiert die Kohle, wenn die Kohle stimmt

Natürlich hat Wladimir Putin auch einen Lieblingsfußballverein. Weil aber Zenit St. Petersburg über die russische Grenze hinaus nicht allzu viel Beachtung findet, hat er sich vor sieben Jahren einen Zweitverein zugelegt und lässt ihn über das halbstaatliche Unternehmen Gasprom alimentieren. Dass es sich dabei um Schalke 04 handelt, war zu Beginn der Partnerschaft nicht ganz unumstritten. Gelsenkirchen war mal die Stadt der tausend Feuer, geboren und gegründet auf Kohle und ihr verpflichtet, bis in das inoffizielle Vereinslied hinein, es beginnt so: „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.“

Der Steiger kommt schon lange nicht mehr, so wie auch Gelsenkirchen längst keine Bergarbeiterstadt mehr ist und Schalke 04 keine Bergarbeitermannschaft. Also hat es die Basis hingenommen, dass russisches Gas die Kohle von der Ruhr ersetzt hat. Wen interessiert die Kohle, wenn die Kohle stimmt? Es hat beim Vertragsabschluss auch niemanden auf Schalke interessiert, dass Gasprom unter Experten für Wirtschaftskriminalität einen Ruf genießt für Korruption. Für gigantische Selbstbereicherung der früheren sowjetischen Nomenklatura und der neuen russischen Business-Elite.

Russisches Geld und russische Politik

Schalke hat die millionenschweren Zuwendungen gern genommen und darauf gehofft, niemand möge einen Zusammenhang sehen zwischen russischem Geld und russischer Politik. Das ging so lange gut, wie der unterdrückende Charakter dieser Politik eher subtile Züge trug. Das ist schon lange nicht mehr der Fall, und deswegen kommt die Einladung aus Moskau nicht so recht gelegen. In diesem Sinne lässt der Schalker Klubmanager Horst Heldt verschämt ausrichten, es gebe zwar eine Einladung, aber im Augenblick keine Reisepläne.

Das ist verständlich, denn wer spielt schon gern vor bei einem Staatsmann, der seine Armee so selbstverständlich über die Grenzen eines souveränen Staates schickt wie ein Trainer seine Stürmer in den gegnerischen Strafraum? Doch Glaubwürdigkeit ist ein ein komplexes und nicht zu portionierendes Gut. In Gelsenkirchen müssen sie schon eine glaubwürdige Begründung dafür finden, warum sie zwar gern das russische Geld nehmen, dem edlen Spender aber nicht die Hand schütteln wollen.

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