Kriminalität : Ex-Herthaner erpresste Herthas Kapitän Arne Friedrich

Kevin C., 21, steht unter Verdacht, von Hertha Kapitän Arne Friedrich 5000 Euro für dessen verlorene Uhr gefordert zu haben. Die Polizei erwischte den Amateurspieler. Sein Verein suspendierte ihn - und will bis Sonntag eine Erklärung.

Tanja Buntrock
ArneuDieb Foto: ddp
Arne Friedrich. -Foto: ddp

BerlinEr soll versucht haben, Herthas Kapitän Arne Friedrich zu erpressen: Nun steht Kevin C. (21), Mittelfeldspieler beim Oberligisten SV Falkensee-Finkenkrug möglicherweise kurz vor dem Rauswurf. Wie der Tagesspiegel gestern von Mike Rataj, Spielbetrieb-Koordinator, erfuhr, sei Kevin C. bis auf Weiteres suspendiert worden. Bis zum Sonntag dieser Woche habe er Zeit, eine schriftliche Stellungnahme zu den Vorwürfen abzugeben. "Danach wird der Vorstand entscheiden, was weiter passieren wird. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, müssen wir auch unsere Spieler schützen", sagte Rataj. Nach seinen Angaben wolle sich der unter Verdacht stehende Spieler derzeit der Presse zu den Vorwürfen nicht äußern.

"Ein Dummer-Jungen-Streich", sagt Hoeneß. "Das ist kein Spaß!", sagt die Polizei

Während Herthas Manager Dieter Hoeneß den Erpressungsversuch gegen Arne Friedrich (29)  noch als "Dummer-Jungen-Streich" bezeichnete, sieht die Polizei dies offenbar ganz anders.  "Das ist kein Spaß mehr gewesen, sondern erfüllt sehr wohl den Tatbestand einer Erpressung", sagte ein Polizeiermittler dem Tagesspiegel. Sowohl gegen Kevin C.  als auch gegen seine Freundin Julia A. (22), die als Komplizin agiert haben soll, werde nun wegen Erpressung ermittelt. "Was am Ende dabei herauskommt, muss die Justiz entscheiden", sagte der Ermittler.

Die Uhr hat einen Wert von fast 9000 Euro

Doch was war wirklich passiert? Wie der Ermittler berichtet, habe Arne Friedrich vor etlichen Wochen seine Armbanduhr (Wert: 8900 Euro) im Berliner Rehabilitationszentrum "Da Vinci" verlegt beziehungsweise verloren. Da die Uhr ein Geschenk des DFB vor Beginn der WM 2006 war, hing Friedrich sehr an dem teuren Stück. Er soll in einem Aushang im Reha-Zentrum 500 Euro Finderlohn ausgelobt und auf dem Zettel sogar seine private Handynummer angegeben haben. "Kevin C. hatte die Uhr gefunden. Als er den Such-Aushang sah und kapierte, dass es sich um Arne Friedrichs Uhr handelte, wollte er wohl Geld herausschlagen aus der ganzen Sache", erzählte der Ermittler.

Bis 2005 spielte Kevin C. bei Hertha in der Jugend

Der Amateur-Fußballer, der bis 2005 in Herthas B-Jugend spielte, rief Arne Friedrich an und verlangte statt der vom Hertha-Kapitän gebotenen 500 Euro gleich 2000 Euro. Bei einem weiteren Telefonat, wo es um die Übergabe der Uhr ging, soll Kevin C. dann sogar 5000 Euro gefordert haben. Der Hertha-Profi hatte mittlerweile die Polizei informiert. "Da man Arne Friedrich kennt, wäre es nicht sinnvoll gewesen, jemanden Fremden zur Übergabe zu schicken. Von einer Gefahr war auch nicht auszugehen", sagt der Ermittler.

Am Rathaus Schöneberg griff die Polizei zu

Am 1. März begab sich Arne Friedrich dann unter Beobachtung der Kripo-Fahnder zum geplanten Übergabe-Ort am Rathaus Schöneberg. Dort soll dann Kevin C.s Freundin Julia aufgetaucht sein, um die teure Uhr gegen das Geld zu tauschen. Die Fahnder griffen blitzschnell zu. Dass Arne Friedrich aus Sicherheitsgründen eine kugelsichere Weste getragen haben soll, konnte der Ermittler nicht bestätigen. Julia A. habe zunächst behauptet, sie sei nur von ihrem Freund geschickt worden, um etwas abzuholen, mehr wisse sie nicht. Die Fahnder baten sie dann, ihren Freund auf dem Handy anzurufen. Als Kevin C. in der Leitung war, soll einer der Beamten ihn mit den Worten "Wie wäre es, wenn Sie sich stellen? Das hat auch eine Auswirkung aufs Strafmaß" begrüßt haben. Der mutmaßliche Erpresser ließ sich dann auch widerstandslos festnehmen. Er kam ebenso wie seine Freundin nach der erkennungsdienstlichen Behandlung auf dem Polizeiabschnitt wieder frei. Hätte Kevin C. nicht das Geld gegen die Rückgabe der Uhr gefordert, "hätte es sich nur um eine Fundunterschlagung gehandelt. Ein Verfahren wäre wahrscheinlich eingestellt worden", sagte der Ermittler. Doch nun drohe ihm im schlimmsten Fall sogar eine Freiheitsstrafe von mehreren Jahren.

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