Krise bei Hannover 96 : Martin Kind und seine wackligen Treueschwüre

In Hannover ist der Job von Trainer Michael Frontzeck gefährdet - Martin Kind behauptet das Gegenteil. Was ist die Aussage des Klubchefs wert? Eine Rückblick auf frühere Treueschwüre.

Lorenz Goes und Mattis Nothacker
In welche Richtung soll es denn gehen? Kind (li.) und Frontzeck.
In welche Richtung soll es denn gehen? Kind (li.) und Frontzeck.Foto: Imago/Sorge

Hannover 96 ist im freien Fall: nach der 1:3-Niederlage gegen den VfB Stuttgart steht das Team von Michael Frontzeck mit nur einem Punkt in sechs Spielen auf dem letzten Tabellenplatz. Was macht ein Bundesligist in so einem Fall im Normalfall? Richtig... den Trainer... oder doch nicht? Klubchef Martin Kind will laut eigenem Bekunden an seinem Trainer festhalten: „Michael Frontzeck hat unser Vertrauen. Er wird gegen Stuttgart und Wolfsburg auf der Bank sitzen, auch darüber hinaus“, sagte er der „Bild-Zeitung“. „Ich bin überzeugt, dass wir den Turn-Around schaffen. Er wird das hinkriegen“.

Dass solche Treuebekundungen gegenüber Trainern bei Martin Kind oft nicht viel bedeuten, hat die Vergangenheit jedoch unzählige Male bewiesen. Mehrmals schon machte Kind mit widersprüchlichen Aussagen über die Zukunft seiner Trainer auf sich aufmerksam. Beispiele aus den zurückliegenden Jahren:

Branko Ivankovic (entlassen im Februar 2000):

Vor dem Spiel in der Zweiten Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach steht Hannover 96 auf dem zwölften Platz. „Unsere Situation ist keineswegs befriedigend“, sagt Martin Kind. „Ein neuer Trainer ist bei uns aber nicht im Gespräch.“ Eine Woche später trennt sich Kind von seinem Coach.

Ralf Rangnick (entlassen im März 2004):

In den letzten Monaten vor der Entlassung von Ralf Rangnick als Trainer von Hannover 96 gibt es öfter Streit zwischen ihm und Martin Kind, unter anderem um Spielerverpflichtungen. Ende Februar spricht Kind noch davon, „die Saison mit Ralf Rangnick über die Bühne bringen“ zu wollen. Nur zwei Wochen später erklärt er jedoch, dass er diese Aussage „modifizieren“ müsse, da man nun mit dem Abstieg zu tun habe und der Klassenerhalt Priorität genieße. Nebenbei gibt er zu, bereits ein Gespräch mit Trainerkandidat Friedhelm Funkel geführt zu haben. Hannover verliert tatsächlich gegen Gladbach, am nächsten Tag wird Rangnick entlassen.

Peter Neururer (entlassen im August 2006):

In der "Bild-Zeitung" wird ein Rauswurf von Peter Neururer prognostiziert. Martin Kind sei entschlossen, nicht mehr mit dem Trainer weiterzuarbeiten, wird berichtet, doch Neururer selber weiß von nichts. In der "Sport Bild" klagt er über „Heckenschützen“ im Verein: „Es wird bewusst Stimmung gemacht. Hannover ist mein zwölfter Job als Trainer. So wie hier habe ich das noch nie erlebt“. Am selben Tag noch wird er entlassen.

Mirko Slomka (entlassen im Dezember 2013):

Martin Kinds Umgang mit Mirko Slomka vor seiner Entlassung stößt auf besonders viel Kritik. Am Tag vor Heiligabend beschreibt Kind die Chancen einer Trennung in einem Interview folgendermaßen: „Ich schließe es nicht aus. Im Moment würde ich 60:40 sagen." Währenddessen kommen Gerüchte auf, wonach Kind bereits Gespräche mit dem möglichen Nachfolger Thomas Schaaf geführt haben soll. Am 27. Dezember gibt Kind die Trennung von Slomka bekannt und sagt wenige Tage später: "Eigentlich wollten wir Slomka gar nicht feuern."

Tayfun Korkut (entlassen im April 2015):
Vor dem Spiel gegen Hertha BSC stellt Martin Kind noch klar, dass Tayfun Korkut keine Angst um seinen Job haben muss. "Wir ziehen das mit Herrn Korkut bis zum Saisonende durch. Es wird bei uns in dieser Saison keinen Trainerwechsel geben", sagt er. Eine Woche später wird Korkut nach einer 0:4-Niederlage gegen Bayer Leverkusen beurlaubt. Kurios dabei ist vor allem, dass Kind den vorherigen Trainer Slomka nur anderthalb Jahre nach seiner Entlassung bereits wieder als möglichen Nachfolger ins Gespräch bringt: "Mirko Slomka wäre ein Kandidat, mit dem ich sprechen würde, wenn er selbst Interesse hat. Ich habe keinerlei Vorbehalte."

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