Sport : Krise im Rechteck

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Zum Köpfe senken. Die Leistung von Matthias Rath und Totilas bei der EM reichte nur für Platz fünf. Foto: dpa
Zum Köpfe senken. Die Leistung von Matthias Rath und Totilas bei der EM reichte nur für Platz fünf. Foto: dpaFoto: dpa

Auf den ersten Blick sieht es nach leichter Mathematik aus: Totilas + Edward Gal = dreimal Gold bei den Weltreiterspielen 2010; Totilas + Matthias Rath = nur Platz fünf am Wochenende bei der Europameisterschaft 2011. Will man nun bei den Olympischen Spielen 2012 in London mit dem zehn Millionen teuren Pferd Totilas zu einer Goldmedaille kommen, gibt es aus mathematischer Sicht nur eine Lösung: Man muss Matthias Rath aus der Gleichung nehmen und ihn durch jemanden vom Niveau Edward Gals ersetzen. Das Problem ist jedoch, dass Dressurreiten mit Mathematik kaum etwas zu tun hat.

Ein Reiterwechsel ist keine einfache Angelegenheit, das hat das Ergebnis vom Wochenende wieder illustriert. Es hatte lange gedauert, bis Totilas und der Holländer Edward Gal zu Spitzenleistungen im Stande waren. Es wird auch seine Zeit brauchen, bis sich Matthias Rath und Totilas zusammengerauft haben werden. Ein Spitzenpferd ist kein Mietwagen, in den man sich hineinsetzt, Sitz und Rückspiegel einstellt und dann losfährt. Pferd und Reiter bilden vielmehr eine lebendige Beziehung, die Krisen durchlebt und gemeinsam reift. Eine solche Krise hat das Duo durch Totilas’ lustlosen Auftritt bei der EM durchlebt, bei dem es Matthias Rath versäumte, das Pferd in die Schranken zu weisen. Doch deshalb muss man noch nicht den Reiter wechseln.

Mitbesitzer Paul Schockemöhle wird es bedauern, dass Totilas an diesem Wochenende von seinem Ruf als Wunderpferd einiges eingebüßt hat. Das mindert auch seinen Wert. Für Matthias Rath aber ist das gar nicht so schlecht. Es nimmt ihm zumindest etwas von dem ohnehin sehr großen Druck.

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