Sport : Krise mit Pfiff

Europas Schiedsrichter stehen immer stärker in der Kritik – in Deutschland schickt sie DFB-Chef Mayer-Vorfelder auf die Couch

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Berlin (Tsp). Die Bilanz des 13. BundesligaSpieltages liest sich so: brutale Fouls, endlose Diskussionen, ein übersehenes Handspiel, Lauterns Trainer Erik Gerets auf die Tribüne verbannt und am Ende vier Rote Karten und zwei Gelb-Rote. Das alles erscheint wie die logische Fortführung der vergangenen Wochen. Noch nie standen die Bundesliga-Schiedsrichter so sehr im Blickpunkt. Hellmut Krug, einer ihrer besten Vertreter, spricht von einer „Krise im Verhältnis zu den Spielern und Trainern“.

Schuld – wenigstens darin sind sich die Beteiligten einig – haben immer die anderen. Die Spieler fühlen sich von den Schiedsrichtern falsch, nämlich überheblich, behandelt. Die Trainer schimpfen über fehlendes Fingerspitzengefühl und kleinliche Auslegung der Regeln. Die Schiedsrichter selbst beklagen das verstärkte Lamentieren und Schauspielern auf und neben dem Feld.

Es muss – auch darin sind sich alle einig – etwas passieren. Heute treffen sich der DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und Volker Roth, der als Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses quasi Chef der deutschen Schiedsrichter ist. Es soll nicht nur geredet werden. Mayer-Vorfelder kündigte für sie bereits Psycho- Schulungen durch Polizei-Spezialisten an.

Vor allem wird es aber um die Einführung des vierten Schiedsrichters gehen. Wie bei internationalen Spielen längst üblich, soll dieser an der Linie Ruhe auf den Trainerbänken schaffen. Durch ihn, so hoffen prominente Fürsprecher wie Rudi Völler, Franz Beckenbauer und Matthias Sammer, werde der Umgang untereinander normalisiert. Gern wird dabei auf Italien, Spanien und England verwiesen. Doch ist dort wirklich alles besser? Für den Tagesspiegel schreiben Korrespondenten aus diesen Ländern über das Miteinander von Spielern, Trainern und Schiedsrichtern in den jeweiligen Ligen. Als Vergleich mit Deutschland dient eine Fallstudie der Partie Bayer Leverkusen gegen Borussia Mönchengladbach.

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