Sport : Krisenklub gegen Klub in der Krise

Hertha und Bayern haben vor ihrem Duell Probleme

Stefan Hermanns

Berlin - Hertha BSC ist eine Mannschaft im Umbruch, aber bei allen Veränderungen gibt es über die Jahre auch eine Konstante: Wenn Bayern München nach Berlin kommt, ist das Olympiastadion voll. Das wird auch am Samstag zum Abschluss einer mäßigen Hinrunde des Berliner Fußball-Bundesligisten so sein. Es drängt sich der Verdacht auf, dass ein Großteil des Publikums gar nicht wegen Hertha kommt, sondern wegen der Bayern. Ancillo Canepa wird zum ersten Mal in dieser Saison von seiner Hertha-Dauerkarte Gebrauch machen. Gut, der Mann hat auch eine ziemlich weite Anreise. Canepa wohnt in der Schweiz, er ist Präsident des FC Zürich, und der Besuch im Olympiastadion wird nicht nur ein privates Vergnügen sein. „Wir haben vereinbart, dass wir uns kurz treffen“, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß.

Nach Trainer Lucien Favre, dessen Assistent Harry Gämperle und Innenverteidiger Steve von Bergen wollen sich die Berliner erneut beim Schweizer Meister bedienen. Hoeneß bekräftigte gestern das Interesse an Zürichs brasilianischem Stürmer Raffael, und der 22-Jährige, der längst von anderen Klubs umworben wird, hat nun offen seine Präferenz verkündet. „Ich will nach Berlin“, sagte Raffael dem „Kicker“. „Ich hoffe sehr, dass sich beide Seiten im Winter einigen.“

Angesichts der internationalen Konkurrenz ist es allerdings zweifelhaft, dass die Berliner den Transfer mit ihrem beschränkten Budget schon zur Rückrunde realisieren können. Knapp drei Millionen Euro stehen ihnen zur Verfügung, doch das Geld soll nicht für einen einzigen Spieler draufgehen, sondern in mehrere Verstärkungen investiert werden. Neben einem Stürmer sucht Hertha auch noch einen rechten Außenverteidiger und einen kreativen Mittelfeldspieler. Schnellen Vollzug erwartet Hoeneß nicht: „Es wird sicher noch ein paar Wochen dauern.“ Bis zum 31. Januar hat Hertha Zeit.

Gegen Bayern müssen die Berliner noch auf das vorhandene Personal setzen, das zuletzt dreimal hintereinander verloren hat. Es gibt beruhigendere Voraussetzungen, zumal der Einsatz von Arne Friedrich noch leicht fraglich ist. Stürmer André Lima wird wegen Rückenproblemen wohl ausfallen. Nach seinem Auftritt bei der 1:2-Niederlage in Nürnberg ist das nur bedingt als Schwächung anzusehen, aber das gilt auch für alle anderen Spieler, die in Nürnberg auf dem Platz standen.

Manager Hoeneß mahnt gegen die Bayern eine „deutliche Steigerung im kämpferischen Bereich“ an. Was die Mannschaft am Wochenende geboten hat, „das geht nicht. Das reicht nicht gegen Nürnberg und schon gar nicht gegen Bayern.“ Auch nicht gegen eine Bayern-Mannschaft, die gerade selbst ihre Problemchen hat. Dieter Hoeneß, der für die Münchner 224 Bundesligaspiele bestritten hat und aus familiärer Verbundenheit die Eigenheiten des Klubs bestens kennt, warnt davor, den Trubel um Oliver Kahn und Ottmar Hitzfeld als Vorteil anzusehen: „Wenn’s bei den Bayern rauscht, sind sie eher noch gefährlicher.“ Stefan Hermanns

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